"Hinterland of Things": Trump als Hoffnung für mehr Innovationen aus Europa

Die Entwicklungen in den USA wirken sich auch hierzulande auf die Gründerszene aus. Für Europa könnte das eine Chance sein, heißt es von Branchenkennern.

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Anja Müller vom Handelsblatt, Florian Huber von Ewor, Jens Fiege, Deepa Gautam-Nigge von SAP und Dr. Anna Mutius von Empion (von links nach rechts).

Anja Müller vom Handelsblatt, Florian Huber von Ewor, Jens Fiege, Deepa Gautam-Nigge von SAP und Dr. Anna Mutius von Empion (von links nach rechts).

(Bild: Founders Foundation)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die erneute Präsidentschaft von Donald Trump sorgt nicht nur für eine Diskussion des Themas "digitale Souveränität". Sie wirkt sich auch auf die Wissenschaftscommunity und auf die europäische Start-up-Szene aus. Das erklärt Dominik Gross, der Mitgründer und Geschäftsführer der Tech-Startups ausbildenden Founders Foundation gGmbH (FF), bei der Eröffnung der diesjährigen "Hinterland of Things"-Konferenz. Laut Gross gebe es mittlerweile mehr als 350 europäische Unicorns.

Wir haben eine starke Forschung: Ein Drittel der weltweiten Top-20-Universitäten in Computer Science und Engineering stehen in Europa. In Deutschland haben wir eine tolle Infrastruktur von Technischen Universitäten, Hochschulen und Instituten. Trumps derzeitiger Umgang mit der Wissenschaft könnte sich Chance für Europa erweisen könnte. Forscher aus Stanford und Harvard sollten wir hier jederzeit willkommen heißen. Rund 100 Universitäten haben sich in verschiedenen Verbünden zusammen getan, um eine von 10 Startup Factorys der Bundesregierung zu werden. Deep Tech Made in Germany ist das Ziel und Europa ist bereits unterwegs

Nach Sicht der Investorin Nazanin Daneshvar sei Europa der beste Ort zum Gründen, wie sie im Panel "Krisenbedingte Chancen: Deutschlands Chance wieder führend zu werden", erklärte. Dass Trump verschiedene Länder vom Studieren in Harvard und anderen renommierten Universitäten ausschließe, ist laut Daneshvar "eines der besten Dinge, die Donald Trump für Europa getan habe". Schließlich müssten "talentierte Migranten" sich jetzt nach Alternativen umsehen.

Zu den Herausforderungen beim Gründen gehören in Deutschland vor allem Bürokratie und Regulierung, doch hat man es in Deutschland geschafft, schafft man es überall. Mehrfach wurde in verschiedenen Panels jedoch thematisiert, wie kostspielig Notartermine für Gründer seien. Der Investor Florian Huber von Ewor sprach in einem weiteren Panel zur Zurückgewinnung der Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise von Kosten in Höhe von 60.000 Euro, die während eines vierstündigen Notartermins in Berlin anfielen, während in London ein kostenloses Online-Dokument reichte.

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Hoffnungen machen der Gründerszene die Versprechen aus dem Koalitionsvertrag: "Start-ups sind die Hidden Champions und DAX-Konzerne von morgen. Um Bürokratie zu reduzieren, prüfen wir eine Gründerschutzzone und wollen notarielle Vorgänge vereinfachen und digitale Beurkundungsprozesse sowie den automatischen Datenaustausch zwischen Notariat, Finanzamt und Gewerbeamt ermöglichen. Wir schaffen einen vollständigen One-Stop-Shop, der alle Anträge und Behördengänge auf einer Plattform digital bündelt und eine Unternehmensgründung innerhalb von 24 Stunden ermöglicht", steht dort.

Laut Dr. Anna von Mutius, Mitgründerin der KI-basierten Recruiting-Lösung "Empion", sei es zudem ein Problem, dass Angestellte in Deutschland unkündbar seien, daher wünsche sie sich dynamischere Prozesse bei Einstellungen und Kündigungen. Ansonsten könne eine Firma ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen. Datenbasierte Systeme seien hilfreich für die Auswahl geeigneter Bewerber.

Deepa Gautam-Nigge, Senior Director für Corporate Development bei SAP, wurde zudem zu den einkassierten Diversitätszielen in den USA befragt. Es sei laut Gautam-Nigge gelebte Diversität, dass sie als libanesische Rheinländerin in Bayern lebt und für ein baden-württembergisches Unternehmen arbeitet. Diversität werde nach wie vor hochgehalten bei SAP. Kürzlich wurde auch SAP-Vorstandschef Christian Klein zur Kritik an der gestrichenen Frauenquote im Gespräch mit der Zeit befragt. Zwar werde das globale Ziel von 40 Prozent Frauenanteil nicht weiterverfolgt, stattdessen aber "auf lokaler Ebene" gemessen.

(mack)