China will in den Erdmantel bohren
Das chinesische Forschungsschiff Meng Xiang soll in einigen Monaten die wissenschaftliche Arbeit aufnehmen. Davon erhoffen sich Forscher wichtige Erkenntnisse.
Forschungsschiff Meng Xiang
(Bild: China Geological Survey)
Nicht bis zum Mittelpunkt der Erde, aber zumindest bis in bisher unerreichte Tiefen will China vordringen. Dafür wurde das größte Forschungsschiff des Landes gebaut, das in einigen kommenden Monaten seinen wissenschaftlichen Betrieb aufnehmen wird.
Die Meng Xiang – auf Deutsch: Traum – ist knapp 180 Meter lang und 33 Meter breit und verdrängt 46.000 Tonnen. Entwickelt und gebaut wurde das rund 470 Millionen US-Dollar teure Schiff komplett in China. An Bord ist Platz 180 Menschen, die auf dem Schiff leben und arbeiten sollen. Das Schiff verfügt über neun Labore, in denen unter anderem Geologen, Geochemiker, Mikrobiologen und Ozeanografen ihrer Arbeit nachgehen können.
Wichtigste Aufgabe des Schiffs wird es sein, durch die sogenannte Mohorovičić-Diskontinuität, kurz Moho, in den Erdmantel zu bohren. Das ist jener Teil der Erde, der sich unter der Erdkruste befindet, auf der wir uns bewegen. Diese ist an Land zwischen 15 und 20 Kilometern dick. Unter dem Meeresboden sind es hingegen nur 5 bis 15 Kilometer bis zur Moho.
Meng Xiang soll tiefer bohren als je zuvor
Meng Xiang soll bis zu 11 Kilometer in den Meeresboden bohren können. So weit in die Tiefe ist bis jetzt noch niemand vorgedrungen. Bisher haben wir nur indirekte Kenntnisse über diesen Bereich, die über seismographische Messungen oder Mineralien, die durch vulkanische Aktivitäten an die Oberfläche gebracht wurden. Meng Xiang soll erstmals in diesen Regionen Proben sammeln und an die Oberfläche bringen.
Meng Xiang könnte im Pazifik oder im Indischen Ozean eingesetzt werden. Unter den Bergrücken im Pazifik könnte Moho am flachsten sein. Dort ist das Wasser etwa 4000 Meter tief, die Moho liegt weitere 6000 Meter darunter.
Bis es in solche Tiefen geht, wird es aber noch dauern: Im oberen Bereich des Erdmantels herrschen Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius sowie sehr hoher Druck. Dieser kann ein Bohrloch zusammenbrechen lassen. Um das zu verhindern, muss vom Schiff aus Bohrschlamm in das Loch gepumpt werden. Dafür ist ein neuartiges Zirkulationssystem nötig. Das soll spätestens 2030 zur Verfügung stehen.
Suche nach Ă–l- und Gasvorkommen
Neben den wissenschaftlichen Aufgaben wird die Meng Xiang auch wirtschaftliche ĂĽbernehmen: Das Schiff wird auch fĂĽr die Exploration von unterseeischen Gas- und Ă–lfeldern eingesetzt werden.
Die Meng Xiang ist offiziell im November 2024 in Dienst gestellt worden. Die erste Testfahrt absolvierte das Schiff im Dezember. Die ersten wissenschaftlichen Bohrungen seien fĂĽr Anfang 2026 geplant, schrieb Zhen Sun, Geologe am Guangzhou Marine Geological Survey und Chefwissenschaftler der Meng Xiang, kĂĽrzlich in der Fachzeitschrift Nature Geoscience.
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Die Wissenschaft setzt große Hoffnungen in künftigen Forschungskampagnen: "Dieses Schiff hat die Fähigkeit, fundamentale Klima-, ozeanografische, mikrobiologische und geowissenschaftliche Fragen zu beantworten – für die nächsten 50 Jahre", sagte der niederländische Paläozeanograf Peter Bijl vor einiger Zeit der Fachzeitschrift Science.
(wpl)