Musikindustrie schlägt De-Eskalationskurs ein

Im Streit um die VergĂĽtung von Musikautoren bessert die Phonoindustrie nach, bleibt aber weiterhin deutlich unter den GEMA-Forderungen.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Im Streit zwischen der GEMA und der Phonoindustrie um den Vergütungssatz für die Lizenzierung von Tonträgern hat die deutsche Landesgruppe der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) einen De-Eskalationskurs eingeschlagen. Künftig werden die Tonträgerhersteller für die mechanischen Auswertungen auf Tonträgern 6,6 statt 5,6 Prozent direkt an die GEMA zahlen, erklärte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Montag in Berlin. Gleichzeitig forderte er die GEMA aber auf, "sich an den Kosten einer intensiven Bekämpfung von Musikpiraterie zu beteiligen". Die Tonträgerhersteller würden auf Geld verzichten, das laut IFPI "für eine gemeinsame Pirateriebekämpfung gedacht gewesen ist".

Ob die Erhöhung um einen Prozentpunkt der GEMA ausreicht, ist allerdings mehr als fraglich. Schließlich fordert die Interessenvertretung der Musikautoren eine Vergütung von 9,009 Prozent des Herstellerabgabepreises von Tonträgern. Grundlage der Forderung ist ein seit 1997 bestehender Vergütungssatz, gegen den die IFPI seit Anfang des Jahres vorgeht. Bei der Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamts in München stellte die IFPI den Antrag, die nach ihrer Meinung "überzogene Vergütung" auf 5,6 Prozent zu senken. Der unstrittige Lizenzbetrag -- bislang 5,6 Prozent, künftig 6,6 Prozent -- wurde seither von den Musikfirmen gezahlt, die Differenzbeträge zwischen den Forderungen der GEMA und den Vorstellungen der IFPI bis zur endgültigen Klärung auf Sperrkonten hinterlegt.

Auch in Bezug auf andere Auswertungsformen für Musik hatte die IFPI die Schiedsstelle angerufen, da sie die von der GEMA "einseitig veröffentlichten Tarife" nicht für angemessen hält. So verlange die GEMA für Musikangebote im Internet 15 Prozent oder eine Mindestlizenz von 20 Cents, die laut Phonoverband "sogar noch weit über der überhöhten Lizenz von 9,009 Prozent für die CD-Auswertung liegt". Während die deutsche Phonoindustrie im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von knapp 20 Prozent hinnehmen musste, konnte sich die GEMA im Jahr ihres 100-jährigen Jubiläums über einen Rekordertrag von 813 Millionen Euro freuen. (pmz)