Triumph Adler: Sagen, was Sache ist!
Man hat damit gerechnet, dass Robert Feldmeier nicht mehr lange an der Spitze von TA Triumph Adler stehen wird. Dazu war in den vergangenen zwei Jahren zu viel Negatives passiert. Jetzt ist er weg. Die offizielle BegrĂĽndung fĂĽr sein Ausscheiden ist nicht geeignet, verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen.
Ex-TA-Chef Robert Feldmeier
(Bild:Â TA Triumph Adler)
Lieber Dr. Joachim Fleing, Kommunikationschef von TA Triumh Adler,
PR, sagte ein früherer Chef von mir, sei der Versuch, aus Schrott Gold zu machen. Okay, er sagte nicht wirklich "Schrott", sondern benutzte ein anderes Wort, das ebenfalls mit "Sch" anfängt und welches wir unseren Kindern verbieten, in den Mund zu nehmen. Aber egal. An eben dieses frühere Chefzitat musste ich jedenfalls denken, als ich in der vergangenen Woche die Adhoc-Mitteilung von Triumph Adler bekam mit der Überschrift "TA Triumph Adler stärkt Vorstand". Was sich hinter dieser Schlagzeile verbirgt, ist in Wahrheit alles andere als ein Vorgang, der zum Jubeln Anlass gibt. Es ist im Kern nichts anderes als ein Vorstandswechsel, weil der bisherige Mann an der Spitze nicht mehr in der Lage ist, seinen Job erfolgreich weiter zu betreiben.
Der bisherige Mann an der Spitze hieß Robert Feldmeier, und wir haben hier an dieser Stelle bereits verschiedentlich über ihn berichtet. Feldmeier war mal ein sehr erfolgreicher Manager und ist von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und der Zeitschrift Impulse vor drei Jahren sogar zum "Turnaround Manager des Jahres" gekürt worden. Doch danach verließ den ehemaligen IBM-Manager das Glück. Der Umsatz brach ein und das Unternehmen rutschte tief in die roten Zahlen. Auch die ersten drei Monate dieses Jahres liefen schlecht. Wenig begeistert war die Muttergesellschaft Kyocera sicher auch, dass wegen Fehler beim Bilanzieren einer TA-Tochtergesellschaft ein Restatement der Bilanz 2009 erforderlich machte. Und dann vor wenigen Wochen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Triumph-Adler-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei der Übernahme der TA-Aktienmehrheit im Jahr 2008 - laut Pressemeldungen auch gegen den Vorstandschef Robert Feldmeier. Interessant übrigens in diesem Zusammenhang: Ende 2008 hatte ich Feldmeier auf eine amerikanische Studie aufmerksam gemacht, derzufolge sich solche Firmen, deren Chefs einen renommierten Wirtschaftspreis erhielten hatten, in der Folge davon deutlich schlechter entwickelten. Feldmeier, der wie gesagt, damals den Preis als "Tournaround-Manager des Jahres" bekommen hatte, bestritt in seiner Antwort auf meine Kolumne energisch, dass TA ein ähnliches Schicksal erleiden würde. Tja, die Entwicklung hat ihn eines Besseren gelehrt.
Alles in allem wäre es mehr als verwunderlich gewesen, wenn Feldmeier seinen Posten bei TA nicht geräumt hätte. Dazu ist in den letzten beiden Jahren einfach zu viel Negatives passiert. Laut Adhoc-Mitteilung aber hat er selbst seinen Vorgesetzten mitgeteilt, dass er zum September dieses Jahres sein Amt niederlegt und ist daraufhin vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung abberufen worden. Angeblich hört der passionierte Mountainbike-Sportler Feldmeier "aus gesundheitlichen Gründen" auf. Natürlich steht für viele Branchenbeobachter fest, dass es sich hierbei nur um eine vorgeschobene Erklärung handelt und der wahre Grund darin besteht, dass Feldmeier einem Rausschmiss zuvor gekommen ist. Aber die Formulierung "aus gesundheitlichen Gründen" verwendet man in der Regel nicht leichtfertig, vor allem wenn man noch einmal einen verantwortlichen Posten an der Spitze eines Unternehmens anstrebt. Gut möglich, dass die Vorgänge der vergangenen Monate dem 52-jährigen Manager derart auf den Magen geschlagen haben, dass er sich schwach und krank fühlt. Vielleicht aber haben die gesundheitlichen Probleme ja auch mit der Hitzewelle der vergangenen Wochen zu tun. So meldete jetzt gerade die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC), dass die hohen Temperaturen im Juni und Juli den Krankenstand in den deutschen Firmen nach oben getrieben hätten.
Lieber Herr Fleing, dass die Branche die angeblichen "gesundheitlichen Gründe" des Robert Feldmeier nicht wirklich glaubt, hat nicht zuletzt mit der Überschrift der Adhoc-Mitteilung zu tun. Denn wenn Sie uns das Managament-Revirement als "Stärkung" des Vorstands verkaufen wollen, dann haben wir natürlich das ungute Gefühl, dass Sie uns auch beim Rest der Meldung gerne ein X für ein U vormachen wollen. Unter Glaubwürdigkeitsgesichtspunkten ist die Meldung ein echtes Eigentor. Und damit sind wir wieder beim Anfang dieser Kolumne und bei dem Satz meines früheren Chefs: "PR ist der Versuch, aus Schrott Gold zu machen." Es ist halt verdammt schwierig, aus Schrott (oder dem anderen Wort mit "Sch...") Gold zu machen, und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, müssen wir sagen, dass es sogar unmöglich ist.
Beste GrĂĽĂźe
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