Mittwoch: Millionenstrafe für 23andme, Googles KI-Modell schneller und günstiger
Bußgeld für Gendatenfirma + Gemini 2.5 Flash-Lite + Altersgrenze für Soziale Netze + Kritik an DSGVO-Novelle der EU + Afrinic im Rechtschaos + Bit-Rauschen
(Bild: TierneyMJ/Shutterstock.com)
2023 wurden fast 7 Millionen Datensätze von Kunden der Gendatenfirma 23andme im Darknet feilgeboten. Jetzt hat Großbritannien eine Millionenstrafe verhängt. 23andme habe die Kundendaten nicht ausreichend geschützt, den Datenabfluss zu spät bemerkt und selbst nach Entdeckung zu langsam reagiert. Derweil hat Google die neuen KI-Modelle Gemini 2.5 Flash und Pro jetzt allgemein verfügbar gemacht. Doch der Datenkonzern hat mit Gemini 2.5 Flash-Lite ein weiteres KI-Modell dieser Generation. Dieses soll schneller und kostengünstiger sein als bisher. Es steht Entwicklern zunächst als Vorschau zur Verfügung. In Österreich bringt der Amoklauf eines 21-Jährigen die dortige Politik auf die Idee, Kinder aus Sozialen Netzen auszuschließen. Das ist in Australien bereits beschlossen, auch in Deutschland und anderen Ländern Europas gibt es Forderungen nach wirksamen Altersgrenzen. Allerdings konnte man sich bislang nicht auf ein Mindestalter einigen – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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"23andme hat dabei versagt, grundlegende Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten zu setzen", zeiht John Edwards, Chef der britischen Datenschutzbehörde, das US-Unternehmen für Genanalysen, "Ihre Sicherheitssysteme waren inadäquat, die Warnsignale waren da und die Firma hat langsam reagiert." Das Ergebnis ist bekannt: Fast sieben Millionen Datensätze von Kunden 23andmes gelangten 2023 in falsche Hände und im Darknet zum Verkauf. Edwards Behörde verhängt nun eine Strafe von umgerechnet gut 2,7 Millionen Euro über die Genfirma. Die der Strafe zugrundeliegende Untersuchung war gemeinsame Arbeit der britischen und der kanadischen Bundesdatenschutzbehörde. Von der illegalen Offenlegung dürften etwa 320.000 Kanadier und rund 150.000 Briten betroffen sein: Britische Datenschutzstrafe für 23andme wegen Gendaten.
Mit Gemini 2.5 Flash und 2.5 Pro hat Google vor knapp einem Monat seine bislang leistungsfähigsten KI-Modelle vorgestellt. Diese sind laut Datenkonzern nun allgemein verfügbar, doch Google präsentiert jetzt eine weitere Variante dieser Dienste. Gemini 2.5 Flash-Lite ist das bislang schnellste und kosteneffizienteste KI-Modell Googles, sagt Google. Diese Version ist zunächst als Vorschau nutzbar. Eine solche Flash-Lite-Version gab es bereits beim KI-Vorgängermodell Gemini 2.0, aber Google hat bei Gemini 2.5 Flash-Lite nach eigenen Angaben die Qualität in vielen Bereichen wie Coding, Mathematik, Wissenschaft, Reasoning und multimodalen Benchmarks verbessert. Auch die Latenzzeiten sollen deutlich reduziert sein: Gemini 2.5 Flash-Lite ist das schnellste und kostengünstigste KI-Modell Googles.
Nachdem ein 21-Jähriger an einer Grazer Schule elf Menschen erschossen hat, möchte Österreichs Bundesregierung Kinder aus Sozialen Netzen draußen halten. "(Wir werden) uns auch für strengere Regeln für Kinder und Jugendliche im Umgang mit Sozialen Medien einsetzen", sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bei seiner Regierungserklärung zum Amoklauf. "Denn wir sehen: Digitale Plattformen sind längst nicht mehr nur Orte der Information oder der Unterhaltung. Sie können auch Orte der Radikalisierung und der Verrohung sein. Hier braucht es klare Regeln und klare Verantwortung auf Seiten der Plattformbetreiber." In der deutschen Bundesregierung ist ebenfalls die Forderung nach wirksamen Altersgrenzen für Social Media erhoben worden: Österreichs Regierung will Altersgrenzen in Sozialen Netzen durchsetzen.
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Einen Schritt weiter ist eine kleine Novelle der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), denn darauf haben sich Vertreter des EU-Rats, des Parlaments und der Kommission jetzt geeinigt. Dem sind rund zwei Jahre Debatte und mehrere Monate Verhandlungen vorausgegangen. Die vorläufige Einigung über einen Entwurf zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen nationalen Datenschutzbehörden bei der Durchsetzung der DSGVO in grenzüberschreitenden Fällen zu verbessern. Die neuen Vorschriften sollen die Verfahren, etwa in Zusammenhang mit Rechten von Beschwerdeführern und der Zulässigkeit von Fällen, vereinfachen. Doch es gibt Kritik von Datenschützernn und aus der Tech-Branche, aus zwei gegensätzlichen Lagern. Dabei sind sich die EU-Gremien einig: DSGVO soll grenzüberschreitend einfacher durchsetzbar sein.
Die Vorstandswahl für Afrikas zentrale IP-Adressvergabestelle Afrinic ist vorerst gestoppt. Das hat der gerichtlich bestimmte Afrinic-Zwangsverwalter Gowtamsingh Dabee bestätigt. Auf Antrag des tansanischen Provider-Verbands TISPA hat der Supreme Court Mauritius' verfügt, dass die ab Montag geplante Online-Abstimmung sowie die für 23. Juni angesetzte Wahl vorerst nicht abgehalten werden dürfen. Es gäbe "ernsthafte Bedenken, dass unseren Mitgliedern und anderen Afrinic-Mitgliedern wesentliche Rechte verwehrt werden". So seien Afrinic-Mitgliedern die ihnen zustehenden Adressressourcen nicht zugeteilt worden. Zudem seien Mitglieder, die nach September 2023 eingetreten sind, bei der Wahl nicht stimmberechtigt. Beides verstoße gegen die Satzung der Afrinic: Gericht stoppt Vorstandswahl.
Der schnellste Supercomputer auf der aktuellen Top500-Liste führt pro Sekunde fast zwei Trillionen Berechnungen aus – genau gesagt 1,74 Trillionen, denn das ist mit 1,74 Exaflops (EFlops) gemeint. Das klingt wahnsinnig schnell, aber längst laufen gigantische KI-Rechenzentren, die je nach Betrachtungsweise um den Faktor 2 bis 50 schneller sind. Was bedeutet die Top500-Liste heutzutage also noch? Welchen Typ von Supercomputern beschreibt sie, welche davon sind nur für die Rüstung, die Wissenschaft oder die Industrie wichtig? Und übernehmen die KI-Monster auch Aufgaben, für die früher ein Supercomputer nötig gewesen wäre? Das diskutieren wir in er neuen Folge vom Bit-Rauschen, dem Prozessor-Podcast: Ist die Supercomputer-Top500 noch wichtig?
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Auch noch wichtig:
- LFP-Zellen dominieren den Markt in China. Bei uns ist der Absatz eher gering – vielleicht auch, weil die Nachteile von LFP-Zellen meist groß sind bei Nutzung als Batterie im Elektroauto: LFP - Die eiserne Enttäuschung.
- Ohne große Kenntnisse über Aerodynamik und CAD entwickelte ein Bastler eine VTOL-Drohne mit hoher Reichweite. Die meisten Bauteile stammen aus dem 3D-Drucker: Bastler entwickelt 3D-gedruckte VTOL-Drohne mit hoher Reichweite.
- UEC hat die Spezifikation Ultra Ethernet 1.0 veröffentlicht. Der neue Standard ist explizit für KI-Cluster und den HPC-Bereich gedacht: So funktioniert das neue Ultra Ethernet.
- In diversen Apple-Betriebssystemen klaffen bereits angegriffene Sicherheitslücken. Das Unternehmen stopft sie mit Updates: Sicherheitslücke in diversen Apple-Betriebssystemen wird angegriffen.
- Nord- und Ostsee sind stark mit Munition belastet. Experten suchen nach Lösungen, die Altlasten möglichst zu entfernen, auf der Kiel Munition Clearance Week: Warum Munition aus dem Meer entfernt werden muss.
- Mit Uber Health will der Fahrdienstleister medizinische Transporte digital organisierbar machen. Der Dienst richtet sich unter anderem an Krankenhäuser: Uber startet Krankentransport-Plattform für Gesundheitswesen in Deutschland.
- Für 43 Prozent der Bundesbürger sind lineare Fernsehnachrichten die wichtigste Infoquelle für News. Online-Quellen inklusive Social Media kommen auf 42 Prozent: Fernsehen überholt Internet als wichtigste Nachrichtenquelle.
- Die Staaten Europas wollen ihre Streitkräfte verteidigungsbereit und möglichst unabhängig machen. Damit fließen auch enorme Summen in die Rüstungsbranche, etwa für KI-Drohnen: Helsing erhält weitere 600 Millionen Euro Investorengelder.
- Bei staatlichen Postfächern herrscht ein Wildwuchs. Nun entscheiden Bund und Länder über einen radikalen Neustart – mit Matrix als Basis. Man rechnet mit einer Entscheidung Ende Juni: Ist bald Schluss mit dem staatlichen Postfach-Chaos?
- Wer sein Laptop in der Nacht ohne Zusatzbeleuchtung mit Gesichtserkennung entsperren will, bekommt das seit einiger Zeit nicht mehr hin: Entsperren von Windows mit Gesichtserkennung nicht mehr im Dunkeln.
- Nexus Mods ist der wichtigste Anlaufpunkt für PC-Modder. Nun bekommt die Webseite einen neuen Besitzer. Wer das ist, bleibt unklar: Modding-Seite Nexus Mods wird verkauft.
(fds)