Satellit soll starten: Der nächste Baustein für "neue Ära der Wettervorhersage"
In der Nacht soll Europas erster Erdbeobachtungssatellit starten, der nicht nur auf die Atmosphäre gucken soll. Liefern soll die 3D-Sicht ein Infrarotsensor.
Künstlerische Darstellung des Satelliten nach dem Start
(Bild: ESA - P. Carril)
Mit dem MTG-S1 soll in der Nacht der erste geostationäre Erdbeobachtungssatellit aus Europa gestartet werden, der nicht auf Satellitenfotos setzt, sondern auf einen Infrarotsensor. Für die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten Eumetsat soll der Satellit bald alle 30 Minuten eine dreidimensionale Karte der Atmosphäre erstellen. Dabei geht es um Daten zur Temperatur, Luftfeuchte und zu Spurengasen, die es ermöglichen sollen, sich schnell ändernde Wetterphänomene vorherzusagen und zu beobachten. Damit soll man im abgedeckten Bereich künftig viel schneller auf Extremwetter reagieren können, verspricht Simonetta Cheli, die bei der ESA für die Erdbeobachtung zuständig ist.
Eine neue Ära beim Nowcasting
Der Meteosat Third Generation Sounder Satellite (MTG-S1) ist der zweite einer neuen Generation von Wettersatelliten, die eine Kontinuität in der Wettervorhersage für die nächsten Jahrzehnte sicherstellen und deutlich bessere Daten liefern sollen. Der erste wurde Ende 2022 gestartet, mit MTG-S1 soll nun eine neue Technik in Europas Meteorologie einziehen. Wie die ESA erläutert, kann der Wettersatellit dank des Infrarotsensors auch unter die oberste Atmosphärenschicht blicken und dort Daten sammeln. An Bord hat der Satellit außerdem ein Spektrometer, das als Sentinel-4 Daten zur Luftverschmutzung für das europäische Copernicus-Programm sammeln soll.
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Der MTG-S1 soll nun eine neue Ära beim sogenannten Nowcasting einläuten, so wird die Vorhersage im Zeitraum weniger Minuten bis maximal einigen Stunden bezeichnet. Das sei entscheidend etwa für Gewitter, Tornados oder Sturzfluten, erklärt die ESA. Bei einigen dieser Wetterphänomene spiele die vertikale Dynamik in der Atmosphäre eine entscheidende Rolle und mit den dreidimensionalen Karten könne man die bald viel besser durchschauen. Obendrein soll MTG-S1 Turbulenzen erkennen und damit in der Luftfahrt helfen. Schließlich sollen die jetzt entstehenden Datensätze auch zur Klimaforschung beitragen.
Gestartet werden soll der modernste europäische Wettersatellit jetzt mit einer Rakete des Typs Falcon von SpaceX vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in den USA. Die ESA plant einen Livestream, der um 21:15 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit beginnen soll. Abheben soll die Rakete dann um 23:03 Uhr. Wenn alles nach Plan läuft, wird sich der Satellit dann um 23:37 Uhr melden, bis dahin soll der Livestream laufen. Mit MTG-S2 soll der nächste Vertreter der neuen Satellitengeneration von Eumetsat dann im kommenden Jahr gestartet werden, danach soll es erst 2033 weitergehen.
Der Start hat laut ESA einwandfrei geklappt, wenige Minuten später hat sich der Satellit erwartungsgemäß zurückgemeldet.
(mho)