5 Jahre Updates: Wie Smartphone-Hersteller mit der neuen EU-Vorgabe umgehen

Seit dem 20. Juni gilt in der EU die neue Ă–koverordnung. Diese sieht unter anderem fĂĽnf Jahre Updates ab Verkaufsende vor. Wie Hersteller damit umgehen wollen.

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Eine Gruppe Menschen im Kreis hält Smartphones in der Hand

(Bild: Shutterstock.com/ View Apart)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Mit der Einführung der neuen Ökodesignverordnung am 20. Juni der EU stehen Smartphone-Hersteller vor neuen Herausforderungen. Unter anderem sind sie nun dazu verpflichtet, ihre Geräte fünf Jahre lang mit Softwareupdates zu versorgen. Heise online hat bei Herstellern nachgefragt, ob sie den Anforderungen gewachsen sind.

Angefragt hat heise online bei Apple, Google, Samsung, Motorola, Nothing, OnePlus, Sony, Honor, Asus, Xiaomi, HMD und Oppo. Die drei letzten Unternehmen – also Xiaomi, HMD und Oppo – haben unsere Anfragen auch nach knapp zwei Wochen und einer weiteren Anfrage nicht beantwortet.

Sämtliche Android-Hersteller, von denen heise online Antworten erhalten hat, sicherten zu, sich an die Vorgaben der EU zu halten und ihre neuen Produkte entsprechend mit Updates für mindestens fünf Jahre zu versorgen. Manche von ihnen wie Google, Samsung, Fairphone – zumindest ab dem neuen Modell – oder Honor (für die Topmodelle) versprechen zudem sieben Jahre Updates ab Verkaufsstart. Damit übertreffen sie die von der EU gemachten Vorgaben um zwei Jahre.

Google nennt konkrete Modelle, die schon jetzt der Ökodesignverordnung hinsichtlich der Updategarantie entsprechen: Zu diesen gehören das Pixel 8a, Pixel 9, Pixel 9 Pro, Pixel 9 Pro XL und das Pixel 9a. Branchenprimus Samsung erwähnt in seiner Stellungnahme namentlich die aktuelle Galaxy-S25-Serie, aber auch weitere Modelle – mittlerweile auch Einsteigergeräte des Herstellers wie das unter 200 Euro teure Galaxy A16 bekommen sechs Jahre Systemupdates und Sicherheitspatches. In dieser Preisklasse ist das bislang eine Rarität gewesen. Auch Oneplus ist an Bord: Die im Januar angekündigte OnePlus-13-Serie entspreche den Vorgaben, heißt es vom Hersteller. Jedoch verspricht OnePlus vier Jahre Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitspatches. Angesichts dessen, dass die EU die erwähnten fünf Jahre Android-Updates einfordert, müsste der Hersteller noch einmal nachlegen.

Auch Unternehmen wie Asus, Sony oder Motorola, die fĂĽr eine eher kurze Updateversorgung bekannt sind, mĂĽssen sich kĂĽnftig an die EU-Vorgaben halten. Jedoch ist unter anderem nicht klar, ob Motorola seine gĂĽnstigeren Modelle der G- und E-Serien weiterhin in vollem Umfang in der EU verkaufen wird. FĂĽr diese lieferte der Hersteller bisweilen nur ein Systemupdate aus. Auf unsere Nachfrage ist das Unternehmen nicht eingegangen.

Das einzige Unternehmen, das sich durch die EU bei der Updategarantie nicht festnageln lassen will, ist Apple. Der Konzern erfüllt die Vorgabe zwar schon, verzichtet aber weiterhin auf ein konkretes Updateversprechen. Auf Anfrage verwies das Unternehmen lediglich auf die bestehende Praxis bei Sicherheitspatches für alte Geräte sowie auf seinen Langlebigkeitsansatz. Angesichts dessen, dass zwischen Apple und der EU wegen des zwangsweisen Aufbrechens des iPhone-Ökosystems keine sonderlich gute Stimmung herrscht, dürfte diese Reaktion wenig überraschen.

Wir haben auch gefragt, ob Hersteller mit dem Gedanken spielen, die Preise ihrer Geräte zu erhöhen, weniger Modelle in der EU auf Markt zu bringen und mehr Apps von Drittanbietern – auch bekannt als Bloatware – vorzuinstallieren. Das wollte kaum ein Unternehmen direkt beantworten. Lediglich Nothing sagte: "Nothing steht für ein klares, minimalistisches und monochromes Nutzererlebnis. Es wird keine vorinstallierten Drittanbieter-Apps geben." Preiserhöhungen plane das Unternehmen ebenfalls nicht: "Stattdessen optimieren wir kontinuierlich unsere Supply Chain, um unseren Nutzer:innen das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten."

Hinsichtlich der Bloatware sieht es bei Google ähnlich aus. Bei den Pixel-Geräten sind lediglich Googles eigene Anwendungen vorinstalliert. Ebenso ist Fairphone dafür bekannt, keine zusätzlichen Apps auf seine Geräte zu schieben.

Samsung antwortete auf diese Fragen mit wenig aussagekräftigen Worten: "Wir begrüßen grundsätzlich Initiativen, die die Effizienz und lange Nutzbarkeit von elektronischen Geräten fördern. Über daraus resultierende künftige Kosten-, Preis- und Portfolioentwicklungen können und möchten wir nicht spekulieren, da sie von vielen Faktoren beeinflusst sind."

Ähnliche Aussagen kamen auch von Herstellern wie Honor, Motorola oder Sony. Honor sagte etwa zu künftigen Produkten: "Wir bewerten unsere Preise mit jedem Produkt neu. Dabei bewerten wir nach vielen Kriterien, wie der erwarteten Verkaufsmenge, den Herstellungskosten, der Logistik und so weiter. Alle diese Faktoren sind ständig im Flux, weshalb sich natürlich auch die Preise verändern könnten."

Auch plane Honor keine Veränderungen am Portfolio oder die Reduzierung des Modellangebots. Allerdings seien in der EU noch nie sämtliche Modelle des Herstellers angeboten worden. Sony entgegnete auf die Frage nach Verfügbarkeiten künftiger Modelle und vorinstallierten Apps lediglich mit: "Wir machen keine Aussagen zu zukünftigen Modellen."

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Immerhin zeigte Sony sich optimistisch, sich an die zeitlichen Vorgaben für die Bereitstellung künftiger Updates halten zu können. Die EU schreibt nämlich mit der Ökodesignverordnung vor, dass Updates spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung im AOSP (Android Open Source Project) auf Geräten bereitgestellt werden müssen. Diese Vorgaben wollen alle befragten Unternehmen erfüllen können.

Update

UrsprĂĽnglich hatten wir im Artikel von 5 Jahren Updates ab Verkaufsende geschrieben. Da die EU-Vorgaben Herstellern jedoch viel Spielraum fĂĽr Interpretationen lassen, haben wir den Artikel so angepasst, dass von 5 Jahren ab Marktstart die Rede ist.

(afl)