Die smarteren Navis

Vor etwas mehr als einem Jahr stellten wir fest, dass Smartphones mit Navigationssoftware es noch nicht ganz mit den Stand-alone-Geräten aufnehmen konnten. Inzwischen gibt es bessere Handys und leistungsfähigere Software. Navigation gehört bei Android, iPhone und Nokia mittlerweile zu den Standardfunktionen, die hervorragend erledigt werden.

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Navigationssoftware gibt es nicht nur teuer für teure Smartphones; Nokia etwa verschenkt sein Ovi Maps zu vielen Modellen. Doch einfache Handys wie das E52 eignen sich mit ihrem kleinen Display und der umständlichen Zieleingabe über die Zifferntasten allenfalls als Notlösung. Nur Geräte mit großem Touchscreen und eingebautem GPS-Empfänger wie Nokias X6, das iPhone oder die aktuellen Android-Handys können ein Stand-alone-Navigationsgerät ersetzen.

Die Telefone bieten sogar mehr als viele der Spezialisten: Sie können ihre Sprachausgabe auf Bluetooth-Freisprecheinrichtungen umleiten oder aktuelle Verkehrsdaten aus dem Internet laden. Ihre kapazitiven Touchscreens, die auf sanfte Berührung präzise reagieren, und die leistungsstarken CPUs sind der Hardware der meisten Navigationsgeräte überlegen. Außerdem trägt man das Handy für gewöhnlich immer bei sich, während ein Saugnapf-Navi im Auto gelagert diebstahlgefährdet ist oder zu Hause oft vergessen wird.

Nach drei Jahren ist das Stand-alone-Navi nicht mehr aktuell. Ein Smartphone mit Navi-Software ist ein teurer, aber guter Ersatz.

Anders sieht das bei Einbau-Navis aus: Die sind immer da, wo man sie benötigt – außer man möchte auch mal auf dem Fahrrad oder zu Fuß navigieren. Außerdem veralten sie ebenso wie Smartphones und Saugnapf-Navis in zwei bis drei Jahren. Während die Kfz-Hersteller für Software und Kartenmaterial zumindest ein paar Jahre lang teure Updates anbieten, bleibt einem die Hardware in der Regel bis zum Kauf eines neuen Autos erhalten.

Mobile Geräte sind oftmals die leistungsfähigere und preiswertere Alternative zum Update der Einbaulösung. Einbau-Navis haben dann einen Vorteil, wenn sie sich der Sensordaten des Fahrzeugs bedienen, um die aktuelle Position zu bestimmen, solange etwa im Tunnel oder Parkhaus das GPS-Signal ausfällt. Hier könnte das iPhone 4 mit Kompass und Gyrosensor gleichziehen; allerdings gibt es bislang noch keine Navigationssoftware, die dies unterstützt.

Dieser Artikel hilft Ihnen bei der Auswahl eines Handys und des notwendigen Zubehörs und erklärt die Grundlagen. Einen ausführlichen Test der Navigationsprogramme für Android, iPhone und Co. finden Sie im nachfolgenden Artikel ab Seite 80.

Einfache Navigationsgeräte gibt es bereits für unter 100 Euro (z. B. Garmin nüvi 255 oder Navigon 1410). Das Smartphone Nokia X6 hingegen liegt mit einem Straßenpreis um 280 Euro bereits im Bereich der Luxus-Navigationsgeräte, von denen einige auch schon mit Internet-Anbindung, kapazitiven Touchscreens, Lernfunktionen oder Spracheingabe auftrumpfen [1] . Android-Handys wie das Motorola Milestone, das Google Nexus One, das Samsung Galaxy S oder das HTC Desire sind mit 370 bis 450 Euro schon deutlich teurer, das iPhone spielt mit rund 630 Euro (3GS) beziehungsweise über 1000 Euro (4) in einer anderen Preisliga (alle Preise ohne Mobilfunk-Vertrag).

Mit Ovi Maps, Navigon Select Telekom Edition (nur mit Telekom-Vertrag nutzbar), Telmap O2 (für O2-Handys) oder Google Maps Navigation gibt es für alle wichtigen Plattformen kostenlose Software – Navigation ist seit unserem letzten Test [2] zum Basis-Feature vieler Smartphones geworden. Die kostenlosen Programme beherrschen alle Grundfunktionen der Navigation: Die Route vom aktuellen Standort zu einem Zielpunkt berechnen, unterwegs die aktuelle Position auf der Karte anzeigen und durch Symbole sowie Sprachausgabe auf Richtungswechsel hinweisen.

Doch Navigationsgeräte bieten heute viel mehr: Sie empfehlen rechtzeitig die geeignete Fahrspur, warnen vor Geschwindigkeitsübertretungen, werten aktuelle Verkehrsinformationen aus, optimieren die Route für den Fahrstil des Besitzers oder anhand Erfahrungswerten zur Verkehrsdichte, sprechen Straßennamen aus, zeigen 3D-Modelle markanter Gebäude auf der Karte und vieles mehr. Für Navigations-Apps mit solchen Funktionen muss man bezahlen. Die Preise fangen bei wenigen Euro an und enden bei etwa 90 Euro. Außerdem benötigt man Zubehör; zumindest eine Halterung ist unverzichtbar. Inklusive Gerätepreis ist das Smartphone also immer die teurere Alternative zum Navigationsgerät.

Steht die Anschaffung eines neuen Navis oder ein Karten-Update an, wird das also kaum der Grund für den Kauf eines iPhone oder Android-Handys sein – vielleicht aber ein Anlass. Denn schließlich können die teuren Geräte noch weit mehr als ein Navi.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 17/2010.

[1] Daniel Lüders, Navi Royal, Navigationsgeräte mit Reiseführer, Internet-Diensten, DVB-T-Fernsehen und Spracherkennung, c’t 18/09, S. 104

[2] Daniel Lüders, Alles an Bord!, Navi-Software mit Kartenmaterial für Smartphones, c’t 10/09, S. 80

Mehr Infos

Die smarteren Navis

Artikel zum Thema "Die smarteren Navis" finden Sie in c't 17/2010:

  • Smartphones ersetzen Navigationsgeräte - S. 76
  • Navi-Software fĂĽr iPhone, Android & Co. im Test - S. 80

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