Smarte Kontaktlinse: Start-up Xpanceo erhält 250 Millionen US-Dollar

Xpanceo will die Sci-Fi-Vision smarter Kontaktlinsen Wirklichkeit werden lassen. Doch der Weg dorthin ist steinig und Skepsis angebracht.

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Nahaufnahme des Prototyps einer smarten Kontaktlinse mit winzigem Display, in der Luft gehalten von einem Dreieckrahmen.

Ein Prototyp von Xpanceo aus dem Jahr 2024. Zu sehen sind die semitransparente Elektronik und ein winziges Display in der Mitte.

(Bild: Antony Vitillo / Andrea Bravo)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Xpanceo hat laut eigenen Angaben 15 funktionsfähige Prototypen von Kontaktlinsen entwickelt, die unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten erproben. Dazu gehören Kontaktlinsen mit einem winzigen Display, einem Sensor zur Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung und einer biochemischen Funktion zur Erfassung von Gesundheitsparametern wie dem Glukosewert direkt aus der Tränenflüssigkeit.

Weitere Prototypen demonstrieren kabellose Aufladung und Datenübertragung sowie nanopartikelverstärkte Funktionen für Nachtsicht, Farbkorrektur und 3D-Bildgebung. Einige dieser Prototypen wurden bereits auf Messen vorgeführt. Bis Ende 2026 möchte das Unternehmen nun ein Modell für klinische Tests bereitstellen.

In der Pressemitteilung zeigt sich Xpanceo selbstbewusst und verkündet in klassischem Marketingsprech, die eigene Kontaktlinse werde sämtliche persönlichen Geräte ersetzen und das Ende der Bildschirm-Ära einläuten. Wann es soweit sein wird, lässt Xpanceo klugerweise offen.

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Xpanceo, ein Start-up mit Sitz in Dubai, wurde 2021 vom russischen Unternehmer Roman Axelrod und dem ukrainischen Forscher Valentyn Volkov gegrĂĽndet, einem Experten auf dem Gebiet der Nanophotonik und hochentwickelter Materialien.

Mit der Serie-A-Finanzierung in Höhe von 250 Millionen US-Dollar steigt die Bewertung des Start-ups auf 1,35 Milliarden US-Dollar. Hauptinvestor ist Opportunity Venture, das bereits die Startfinanzierung über 40 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 angeführt hatte. Das Start-up beschäftigt rund 100 Fachkräfte.

Die Herausforderungen sind enorm: Die Technik samt Energieversorgung muss ins Auge passen, ohne Sicht oder Komfort einzuschränken. Bevor ein entsprechendes Produkt auf den Markt kommen kann, ist zudem eine Zulassung durch medizinische Aufsichtsbehörden wie die FDA erforderlich, ein Prozess, der viele Jahre dauern kann. Und selbst dann bleibt die Frage, wie groß der Markt für Elektronik ist, die man sich ins Auge einsetzen muss. Verwandte Technologien wie Smart Glasses sind deutlich weniger invasiv.

Bedenken angesichts des langen Atems, den ein Projekt wie dieses erfordert, hatten bereits die Investoren des Start-ups Mojo Vision. Das Unternehmen entwickelte ebenfalls smarte Kontaktlinsen mit Display. Ein Risikokapital in Höhe von weit über 200 Millionen US-Dollar reichte offenbar nicht aus: 2023 wurde die smarte Kontaktlinse wegen gescheiterter Finanzierungsgespräche auf Eis gelegt. Das Start-up konzentriert sich seither auf die Entwicklung von MicroLED-Displays, in denen es ein kurzfristigeres Marktpotenzial sieht.

Wer sich fĂĽr Xpanceos Prototypen interessiert, findet auf dem Blog des XR-Enthusiasten Antony Vitillo einen Erfahrungsbericht.

(tobe)