IBM gibt Spracherkennungssoftware frei

IBM plant, Teile seiner Spracherkennungssoftware freizugeben, deren Entwicklung rund 10 Millionen US-Dollar gekostet hat.

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  • Dorothee Wiegand

IBM plant, Teile seiner Spracherkennungssoftware freizugeben. Das Unternehmen stellt zwei Open-Source-Projekten Software zur Verfügung, deren Entwicklung rund 10 Millionen US-Dollar gekostet hat. Die Apache Software Foundation erhält demnach Code zur Erkennung von Zeit- und Ortsangaben. Eine Sammlung von Werkzeugen zur Sprachbearbeitung geht an die Eclipse Foundation. Auch mit einem kommerziellen Anbieter von Sprachlösungen will IBM künftig kooperieren: Zusammen mit Avaya, einem Hersteller von Call-Center-Anwendungen, will das Unternehmen sprachbasierende Web-Anwendungen entwickeln.

Man wolle der gesamten Branche einen Anreiz geben, verstärkt Sprachanwendungen zu entwickeln und dabei offene Standards zu verwenden, sagte Steven A. Mills, Senior Vice President im Bereich Softwaretechnik. "Falls das passiert, denken wir, werden sich auch für IBM verstärkt Geschäftsmöglichkeiten bieten."

Nicht nur für Call Center, Navigationssysteme oder Diktierlösungen wird Spracherkennung immer wichtiger -- die Steuerung etwa einer Webanwendung per Sprache ist für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eine Alternative zu klassischen Eingaben per Maus und Tastatur und daher auch unter dem Stichwort Barrierefreiheit von Bedeutung. Dieses Thema wird auch in Open-Source-Projekten verstärkt diskutiert. So stand etwa auf dem KDE Community World Summit, der vom 21. bis 29. August in Ludwigsburg stattfand, auch "Accessibility" auf der Tagesordnung.

Während IBMs Spracherkennungstechnik zentraler Bestandteil des IBM WebSphere Voice Servers ist, funktioniert der Microsoft Speech Server mit Sprachsoftware aus Redmond. Beide Hersteller setzen dabei auf unterschiedliche Standards -- IBM auf VoiceXML -- derzeit in Version 2.0 --, Microsoft auf SALT (Speech Application Language Tags) in der zurzeit aktuellen Version 1.0. .NET-Entwicklertools für Spracherkennung können kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Die Software-Spende von IBM an die Open-Source-Projekte erscheint vor diesem Hintergrund als geschickter Schachzug, der eigenen Technik zu mehr Popularität zu verhelfen. (dwi)