Solarenergie: Zubau der Kapazität in der EU erstmals seit 2016 unter dem Vorjahr

Seit fast zehn Jahren wurde in der Europäischen Union jedes Jahr mehr Kapazität an neuer Photovoltaik hinzugefügt als im Vorjahr. Damit ist es nun wohl vorbei.

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Techniker mit Hand auf Solarpanele

(Bild: GRAFstock/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In Europa könnten die in diesem Jahr hinzukommenden Photovoltaikanlagen erstmals seit 2016 weniger Kapazität haben als im Jahr davor. Das hat der Branchenverband Solar Power Europa ermittelt und erklärt, dass der erwartete Zubau damit geringer ausfallen würde, als es für das Erreichen des europäischen Zielwerts für das Jahr 2030 – von 750 GW – nötig wäre. Gleichzeitig wäre der prognostizierte Zubau um etwa 64 GW immer noch auf jenem Rekordniveau, das seit 2023 dann in drei aufeinanderfolgenden Jahren erreicht würde. Verantwortlich für die Verlangsamung des Ausbaus sind vor allem Haushalte, die aus unterschiedlichen Gründen in mehreren EU-Staaten bei der Installation von Solaranlagen wieder zurückhaltender werden würden.

Sollte der Zubau an Photovoltaik in der EU 2025 tatsächlich geringer ausfallen als 2024, würde damit eine beispiellose Serie zu Ende gehen, auch wenn die Gesamtkapazität weiterhin deutlich steigen würde: Kamen noch vor zehn Jahren jährlich einstellige Summen an GW hinzu, hat sich der jährliche Zubau danach stark beschleunigt. Teilweise hat sich die gesamte hinzugekommene Kapazität sogar verdoppelt. Seit 2023 stagniert der Ausbau aber jetzt, wenngleich auf einem hohen Niveau von mehr als 60 GW. Auch 2025 ist noch ein minimaler Zuwachs der hinzugekommenen Kapazität möglich, schreibt der Verband. Bis Ende des Jahres steigt die Gesamtkapazität der installierten Photovoltaik demnach auf 400 GW, doppelt so viel wie vor drei Jahren.

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Dass sich der Zubau nicht mehr weiter beschleunigt, liegt dem Verband zufolge an ausgelaufenen Unterstützungsmaßnahmen in einigen Staaten und den insgesamt zurückgegangenen Strompreisen. Deshalb würden Haushalte dort weniger Solaranlagen installieren, was auch durch den anhaltenden Boom bei Balkonkraftwerken nicht ausgeglichen werden könne. In diesem Bereich sind demnach vor allem die Niederlande und Deutschland für den Rückgang verantwortlich. Anders sieht es bei den deutlich größeren Anlagen aus, wo der Zubau weiter stark steigt. Hierzu trägt demnach vor allem Spanien bei.

Auch wenn sich der Ausbau der Solarenergie damit nicht mehr beschleunigt, wächst die zugebaute Kapazität doch enorm. Das hat es etwa ermöglicht, dass in der Europäischen Union im Juni zum ersten Mal mehr Strom aus Sonnenlicht gewonnen wurde als aus jeder anderen Energiequelle. In gleich 13 Staaten wurden dabei Rekorde bei der Solarenergieerzeugung erreicht. Das hat die Denkfabrik Ember vor wenigen Tagen mitgeteilt und erklärt, dass Solarstrom auch dabei geholfen hat, dass die hohe Nachfrage angesichts der Hitzewellen befriedigt werden konnte. Vorigen Monat stammte demnach fast ein Viertel des in der EU erzeugten Stroms aus Solarenergie, Atomkraftwerke lieferten etwas weniger.

(mho)