Make Love, Not War
Nach dem "Krieg den Drogen" und dem "Krieg gegen den Terrorismus" ruft eine Allianz aus Politikern und Anwälten aus Utah und Kanada nun zum Krieg gegen die Pornografie auf.
Nach dem "Krieg den Drogen" und dem "Krieg gegen den Terrorismus" ruft eine Allianz aus Politikern und Anwälten aus Utah und Kanada nun zum Krieg gegen die Pornografie auf. Und sie sehen eine Mehrheit von 80 Prozent der Bürger hinter sich. Auf die Entscheidung des Obersten Gerichts der USA, dass der noch von Präsident Clinton unterzeichnete Child Online Protection Act (COPA) gegen das in der Verfassung verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung verstoße, antworten die Moralwächter, Obszönität sei nicht mit freier Meinungsäußerung gleichzusetzen, wie es das U.S. Supreme Court im Sinn gehabt habe (Obscenity is not 'free speech').
Die Schlachtrufe lassen in der Tat aufhorchen: Neun von zehn Kindern zwischen 8 und 16 Jahren hätten Pornografie im Internet angesehen und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren stellten die größte Gruppe der Pornografie-Konsumenten (laut MCAP: Maryland Coalition Against Pornography). Nun müssen Schlachtrufe vor allem gut klingen, nicht so sehr der Realität entsprechen. Nähme die Initiative "War On Pornography" ihre Sache ernst, müsste sie ihren Wirkungskreis nach England verlagern, denn die erste zitierte Studie stammt von der London School of Economics January 2002.
Ein Report des "Crimes Against Children Research Center" im Auftrag des einheimischen "National Center for Missing and Exploited Children" dagegen berichtet von 25 Prozent, die mindestens einmal in den vergangenen zwölf Monaten mit Pornografie im Internet konfrontiert gewesen seien. Dazu hatten die Forscher im Jahr 2000 rund 1500 Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren befragt. Die heutigen Zahlen dürften in der Tat höher liegen.
Interessant ist darin jedoch die Erkenntnis, dass die Jugendlichen in 17 Prozent der Fälle wussten, was sie anklickten, und dass 60 Prozent der Fälle auf die Altersgruppe 15 Jahre und mehr entfiel. Relativierend scheint auch das Ergebnis der Befragung, dass nur 38 Prozent der Darstellungen Menschen beim Geschlechtsverkehr zeigten, ansonsten nur nackte Haut.
Vor allem aber eine Zahl in diesem Report sollte die Kinderschützer interessieren: In 44 Prozent der Fälle unabsichtlicher Konfrontation mit Sexseiten haben sich die Kinder und Jugendlichen niemandem anvertraut. Ebenso hätte die Frage Nachforschungen verdient, warum denn viele Jugendliche aktiv nach Pornografie im Internet suchen, wie die Porno-Gegner selbst angeben.
Siehe auch Telepolis:
Mit einem Klick kann die Unschuld schon verloren sein
(bb)