Indien will 20-Euro-Handys
Der staatliche indische Telekommunikationskonzern Bharat Sanchar Nigam Limited will mit einem ausländischen CDMA-Spezialisten in Indien Billig-Handys unter eigener Marke fertigen, um die Verbreitung von Telefonanschlüssen zu fördern.
Der staatliche indische Telekommunikationskonzern Bharat Sanchar Nigam Limited (BSNL) wünscht sich Billigst-Handys für 1.000 Rupien, umgerechnet etwa 17,80 Euro. Dadurch könnten sich mehr Inder einen Telefonanschluss leisten, was die Zahl potenzieller Kunden stark erhöhen würde. Derzeit sind Endgeräte erst ab rund 3.000 Rupien (rund 53,50 Euro) zu haben, für Viele ist das nicht leistbar. Um günstigere Handys anbieten zu können, möchte BSNL jetzt ein Joint Venture mit einem ausländischen CDMA-Spezialisten eingehen, um in Indien zwei Millionen Geräte unter eigener Marke fertigen zu können.
Der neue Partner soll jedenfalls ein Top-Unternehmen sein, das mindestens 200 Millionen Dollar mit Telekommunikation umsetzt, in den letzten drei Jahren mindestens fünf Millionen CDMA-Geräte abgesetzt hat und an einer der Weltbörsen gelistet ist. Wer diese und weitere in einer Ausschreibung genannte Voraussetzungen erfüllt, kann sich bei BSNL bewerben -- sofern er bereit ist, Kapital und Know-how mitzubringen, indisches Personal zu schulen, für Ersatzteile zu garantieren und technische Unterstützung zu gewähren. Der indische Konzern würde unter anderem Personal, elektrischen Strom und Flächen an seinen bestehenden Fabrikstandorten in Mumbai, Kalkutta und Jabalpur beisteuern. Das Joint Venture soll jeweils eine Million CDMA-Mobiltelefone und Drahtlosgeräte produzieren.
BSNL hat derzeit zirka 1,4 Millionen CDMA-User, wovon 650.000 einen Fixed-Wireless-Service nutzen (also mit ihren Funktelefonen an einen festen Standort gebunden sind). Dazu kommen über sechs Millionen GSM-Kunden, samt Festnetz werden 35 Millionen Anschlüsse betrieben. Etwaige Produktionsüberschüsse könnten exportiert werden. Indien hat über eine Milliarde Einwohner, von denen mehr als die Hälfte in der Landwirtschaft arbeitet. Das Bruttosozialprodukt lag 2002 bei 470 Dollar pro Kopf; auf 100 Bürger kommen gut sieben Telefonanschlüsse, rund 35 Prozent davon sind Mobiltelefone. Regierungsziel sind 20 Millionen Breitbandanschlüsse bis 2010. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)