Donnerstag: Amazon gegen Gewerkschaften, Apples Milliarden für US-Produktion
Behördenrüffel für Amazon + Apples US-Investitionen + Aus für Windows-Schulversion + Open-Access für Forschung + Telco-Branche für Mobilfunkzugang + #heiseshow
(Bild: Frederic Legrand - COMEO/Shutterstock.com)
Amazon.com hat in Kanada unnötig Leute eingestellt, um gewerkschaftliche Organisation zu untergraben. Denn mit mehr Mitarbeitern konnte die dafür notwendige Mehrheit innerhalb des Unternehmens nicht erreicht werden. Die zuständige Behörde ist "not amused" und kritisiert den Handelskonzern heftig. Kritik an Apple kam zuletzt immer wieder vom US-Präsidenten, der die iPhone-Produktion in die USA holen will. Jetzt will Apple mit weiteren Milliarden und dem neuen "American Manufacturing Program" die heimische Produktion antreiben. Apples Absichtserklärung gilt als Reaktion auf Trumps Drohung höherer Zölle. Derweil zieht sich Microsoft aus dem Schulsystem zurück und kündigt für 2026 das Ende von Windows 11 SE an. Diese Betriebssystemversion sollte in Schulen Googles ChromeOS Konkurrenz machen, doch der große Durchbruch gelang nicht. Im US-Schulsystem dominiert ChromeOS mit knapp zwei Drittel Marktanteil und in Japans Schulen liegt sogar iPadOS deutlich vor Windows – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
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"Das stellt Missbrauch der Verfahren der Arbeitsbehörde dar", kritisiert die Arbeitsbehörde der kanadischen Pazifikprovinz Britisch-Kolumbien den Online-Händler Amazon.com in einer aktuellen Entscheidung. Das Unternehmen habe arbeitsrechtlichen Schutz seiner Mitarbeiter eines Lagerhauses im Raum Vancouver "absichtlich untergraben". Amazon hat demnach die Liste der Mitarbeiter künstlich aufgebläht, um zu verhindern, dass die Gewerkschaft ausreichend Unterschriften für eine Abstimmung über gewerkschaftliche Organisation sammeln kann. Zwar hat Amazon Rechtsmittel gegen die Entscheidung eingelegt, aber dieser Protest führt nur zu heftigerer Kritik als von der ersten Instanz: Kanadische Arbeitsbehörde kritisiert Amazon.com heftig.
Apple hat angekündigt, innerhalb der nächsten vier Jahre weitere 100 Milliarden US-Dollar in die heimische Produktion und Lieferkette zu investieren. Damit erhöht der Konzern das im Februar dieses Jahres aufgelegte Investitionsprogramm auf 600 Milliarden Dollar. Nutznießer sind zehn amerikanische Zulieferer wie der Glashersteller Corning, die nun erstmals alle iPhones und Apple Watches mit in den USA produziertem Glas ausstatten werden. Apples Absichtserklärung ist offenbar dem Druck Donald Trumps geschuldet, denn der US-Präsident plant höhere Zölle für den Import von Chips und Halbleitern. Ausnahmen gibt es nur für Firmen, die in den USA produzieren. Deshalb investiert Apple weitere 100 Milliarden in heimische Produktion und Lieferkette.
"Für Kunden im Bildungsbereich, die kostengünstige Geräte suchen, ist Microsoft Windows 11 SE eine gute Wahl", sagt der Anbieter. Doch per Oktober 2026 stellt Microsoft die Unterstützung ein; Google und Apple dürfen sich freuen. "Der Support für Windows 11 SE – einschließlich Softwareupdates, technischer Unterstützung und Sicherheitskorrekturen – endet im Oktober 2026", teilt Microsoft mit. Funktionserweiterungen sind schon nach Version 24H2 keine mehr gekommen. Windows 11 SE wird eine Windows-Variante gewesen sein, die insbesondere für Schulen mit Computern im unteren Preissegment entwickelt wurde, also mit weniger leistungsstarker Hardware funktionieren muss. Doch der Erfolg von Windows 11 SE war bescheiden, denn ChromeOS dominiert im Schulsystem: Microsoft gibt Windows-Schulversion auf.
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Mecklenburg-Vorpommern hat eine Open-Access-Strategie für Wissenschaft und Forschung beschlossen. Ziel ist, Forschungsergebnisse von Hochschulen offen zugänglich zu machen. "Der freie Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen ist die Voraussetzung für eine effektive Zusammenarbeit in der Forschung", sagt Wissenschaftsministerin Bettina Martin. Obwohl das Internet grundsätzlich umfassende kostenfreie Zugänglichkeit von Informationen weltweit ermöglicht, bleiben viele wissenschaftliche Veröffentlichungen hinter Bezahlschranken, bemängelt das Wissenschaftsministerium des Landes. Doch künftig gibt es Forschung ohne Schranken: Mecklenburg-Vorpommern stellt Open-Access-Konzept vor.
Die Deutsche Telekom bewirbt ihre neuen, seit Anfang August geltenden Hybrid-Tarife mit "Mehr Speed für alle – Kombi aus Festnetz und Mobilfunk mit bis zu 500 MBit/s". Bei solchen Offerten schaltet der Router die Datenrate des Mobilfunknetzes bei Bedarf zum Festnetz hinzu. Was Telekom-Kunden schon allein wegen der Ausfallsicherheit aufgrund doppelter Internetverbindung freuen dürfte, beäugen Konkurrenten des Magenta-Konzerns skeptisch. "Hybrid ist das neue Vectoring", zeigen sich Beobachter besorgt mit Blick auf eine alte Vermarktungsstrategie der Deutsche Telekom. Sie setzte lange auf das kupferbasierte VDSL mit Vectoring und schwenkte erst langsam auf Glasfaser um. Diese Parallele ziehen Kritiker mit den neuen Hybrid-Tarifen: Branchenverband fordert Zugang zu Mobilfunknetzen.
In der heutigen Ausgabe der #heiseshow sprechen wir unter anderem darüber, dass Deutschlands neuer Digitalminister Kupferleitungen nicht so schnell aufgeben und die bestehende Infrastruktur trotz des Ausbaus von Glasfaser weiter nutzen will. Ist DSL wirklich noch zeitgemäß für Deutschlands digitale Zukunft? Zudem erörtern wir die ersten offenen KI-Modelle von OpenAI seit GPT-2. Das Unternehmen, das mit ChatGPT den KI-Boom anheizte, kehrt zu seinen Wurzeln und Open-Source-Modellen zurück. Was steckt hinter dieser strategischen Wendung? Zudem diskutieren wir die AVMs Umbenennung in Fritz. Die Fritzbox-Produktlinie wird damit zum Unternehmensnamen. Warum dieser radikale Schritt nach Jahrzehnten als AVM? Das sind die Themen heute um 17 Uhr live in der #heiseshow: DSL forever, offene OpenAI-Modelle, FRITZ!
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Auch noch wichtig:
- Wer sein privates Elektroauto oder die Batterie seines Hybrids als Angestellter in seiner Firma lädt, muss den finanziellen Vorteil meist nicht versteuern: Steuerfreier Ladestrom für Elektroautos vom Arbeitgeber.
- Die Gerüchteküche geht davon aus, dass es bis zur nächsten Generation der beliebten Apple-In-Ears nicht mehr lange dauert. Das sind die Details zu den AirPods Pro 3: Das sollen Apples nächste ANC-Stöpsel können.
- Die Waratha Super Battery ist mit 850 MW der größte Batteriespeicher Australiens. Gestartet wird mit einer Leistung von 350 MW. Der Rest folgt noch 2025: Australiens größter Batteriespeicher mit 850 MW geht in Betrieb.
- Nach einer Phase unglaublich günstiger Angebote für Dienste zur KI-gestützten Programmierung haben alle Anbieter nun die Limits begrenzt und die Preise erhöht. Das bedeutet der Preisanstieg bei KI-Coding-Tools: The Free Lunch Is Over.
- Deutsche Autohersteller und Zulieferer wollen eine gemeinsame Open-Source-Plattform schaffen. Die Referenzarchitektur soll 2025 stehen, ein Serienfahrzeug 2030: Deutsche Autobauer BMW, VW und Mercedes treiben Open-Source-Einsatz voran.
- Das weitverbreitete Model Context Protocol eröffnet eine Vielzahl von Angriffspunkten auf die Systeme der User. Docker hat eine Übersicht veröffentlicht. Es ist der Sicherheitsalptraum MCP: Docker identifiziert sechs Lücken.
- Gestohlene Geschäftsgeheimnisse zur 2-nm-Technik könnten an Rapidus gelangt sein. Inzwischen ist von neun Verdächtigen die Rede und von Hunderten Fotos mit Geschäftsgeheimnissen: Rapidus in TSMC-Skandal verwickelt.
- Das R4 Lite ist mit 2,5G-WAN, vier LAN-Ports und optionaler Wi-Fi-7-Unterstützung für Router-Anwendungen ausgelegt: Netzwerk-Biest Banana Pi.
- In chinesischen sozialen Medien sind Bilder aufgetaucht, die offenbar Apples Akku für das neue flache iPhone zeigen. Offen ist, wie stabil der wird: Batterie des iPhone 17 Air verdünnisiert sich.
- Kein Auto hat BMW so geprägt wie die 3er-Reihe. Mit den ersten Auslieferungen im August 1975 begann die Erfolgsgeschichte, bis heute über sieben Generationen: 50 Jahre BMW 3er-Reihe.
- Google hat mit Genie 3 ein neues "Weltmodell" vorgestellt. Es baut interaktive Umgebungen mit Gedächtnis, die auch zum Roboter-Training genutzt werden können: Googles "Weltmodell" Genie 3 baut interaktive Umgebungen.
- Nvidia weist Anschuldigungen der chinesischen Regierung entschieden zurück. Die eigenen KI-Chips sollen keine Hintertüren aufweisen. Denn ein Kill-Switch wäre "eine offene Einladung für Desaster": Nvidias Antwort an China.
(fds)