Pilotprojekt: Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wird in Wismarer Bucht geborgen

In der Wismarer Bucht werden 15 Tonnen Kriegsmunition aus etwa 22 Metern Tiefe geborgen. Das Projekt soll auch Erkenntnisse ĂĽber Bergungstechniken bringen.

vorlesen Druckansicht 17 Kommentare lesen
Wismarer Bucht mit Steg

(Bild: Achim Wagner/Shutterstock.com)

Lesezeit: 2 Min.
Von

Am Wochenende hat vor der mecklenburgischen Küste bei Boltenhagen ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt zur Bergung von Kriegsmunition aus der Ostsee begonnen, "Los 4". Ziel ist es, innerhalb von 30 Tagen rund 15 Tonnen Munition aus etwa 22 Metern Tiefe zu bergen und sicher zu entsorgen. Die Aktion ist Teil des "Sofortprogramms Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee", das vom Bund mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert wird. Das Projekt dient neben der akuten Gefahrenabwehr vor allem dazu, wichtige Erkenntnisse über Munition und Bergungstechniken zu gewinnen.

In der Ost- und Nordsee liegen schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen konventionelle Munition auf dem Meeresboden, die nach dem Zweiten Weltkrieg versenkt wurden. Viele Kampfmittel sind verrostet und setzen giftiges TNT frei, das die Meeresumwelt gefährdet. Besonders in der Wismarer Bucht stellt die Situation eine Herausforderung dar, da dort Munition zusammen mit einer versenkten Schute liegt – ein Transportschiff, das auf dem Meeresgrund bäuchlings liegt. Dadurch liegen große Mengen Munition unter Sediment und Schlamm verborgen.

Die Bergungsarbeiten werden mit einem umgebauten Tankschiff erledigt, das im Rostocker Hafen gestartet ist. Taucher werden mit TauchaufzĂĽgen auf die Fundtiefe gebracht und sortieren die Munition unter Wasser vor, bevor sie in Kisten verladen und per Schiff nach Wismar transportiert werden. Dort erfolgt die sichere Entsorgung in einer Bundesanlage. Das Team arbeitet rund um die Uhr in zwei Schichten mit jeweils 24 Personen.

Videos by heise

In Arbeit ist zudem ein Bundeskompetenzzentrum für Munitionsbergung in Nord- und Ostsee, das seinen Standort in Rostock haben soll. "Die Gespräche mit dem Bund zur konkreten Ausgestaltung des Zentrums laufen bereits. Rostock wird damit zum bundesweiten Knotenpunkt für Innovation beim Umgang mit Altmunition im Meer", so Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Darüber hinaus läuft derzeit die "Ausschreibung und Planung einer mobilen Berge- und Vernichtungseinheit, die künftig direkt auf See operieren soll", heißt es in der Pressemitteilung. Backhaus begrüßt den Bau der Plattform auf der Werft in Wismar.

(mack)