Drei Mal seit dem Pleistozän: In der Luft explodierende Meteore nicht selten
Wenn große Himmelskörper die Erde treffen, müssen sie keine Krater schlagen, sie können in der Luft explodieren. Das passiert wohl häufiger als gedacht.
(Bild: Marko Aliaksandr/Shutterstock.com)
Starke Detonationen von Meteoren über der Erdoberfläche, bei denen keine großen Krater geschlagen werden, die aber trotzdem katastrophale Folgen haben können, sind möglicherweise häufiger als gedacht. Das meint zumindest ein internationales Forschungsteam. Es hat mögliche Spuren einer solchen Explosion gefunden, die vor etwa 12.800 Jahren eine anormale Kälteperiode eingeleitet hat.
Zudem hat die Forschungsgruppe möglicherweise gar einen Krater entdeckt, der mit der Detonation damals in Verbindung stehen soll. Weitere solche Explosionen sollen sich vor mehr als 115 Jahren auch in Sibirien ("Tunguska-Ereignis") und in der Bronzezeit in Tell el-Hammam in Jordanien ereignet haben. Zusammen würden die darauf hindeuten, dass so etwas häufiger passiert als angenommen.
Drei Explosionen von Menschen beobachtet?
In insgesamt vier Forschungsartikeln stellt die Forschungsgruppe um James Kennett von der University of California Hinweise auf mehrere dieser Detonationen in der Vergangenheit vor. Der Fokus liegt dabei auf einer Explosion, die sich vor fast 13.000 Jahren über dem heutigen Norden Kanadas ereignet haben soll. Die Detonation soll dabei so gewaltig gewesen sein, dass sie mit der Jüngeren Dryaszeit eine merkliche Abkühlung des Klimas ausgelöst haben soll. Erstmals habe man Spuren des Einschlags bei Tiefseebohrungen in der Baffin Bay entdeckt. Weiterhin stellt das Team einen möglichen Krater im US-Bundesstaat Louisiana vor, der von einem damals entstandenen Bruchstück geschlagen worden sein soll. Es handelt sich um einen kleinen, saisonalen See, der von einem kraterartigen Rand umgeben sei.
Videos by heise
Ob es sich bei der namenlosen Bodenformation tatsächlich um einen Krater handelt und ob der dann auch das richtige Alter hat, müsse noch bestätigt werden, schreibt das Team. Es hat nach eigener Aussage auch erstmals nach direkten Spuren der Explosion über Tunguska im Jahr 1908 gesucht und sei dabei ebenfalls fündig geworden. Am Ort des Geschehens habe man Quarzkörner gefunden, die bei dem Einschlag verformt wurden. Auch von anderen Überresten berichtet die Gruppe. Die gibt es demnach auch an der Ausgrabungsstätte Tell el-Hammam, über der vor etwa 3675 Jahren ein Himmelskörper explodiert sein soll.
Zusammen würden die drei Ereignisse darauf hindeuten, dass sich Explosionen von großen Meteoren in der Erdatmosphäre deutlich häufiger ereignen als Meteoriteneinschläge, die einen großen Krater hinterlassen. Sie seien aber nicht nur deutlich häufiger als bislang gedacht, sondern könnten auch viel mehr Zerstörung anrichten als klassische Einschläge, die einen lokal begrenzten Krater erzeugen. Explosionen über der Oberfläche könnten viel größere Gebiete verwüsten. Trotzdem seien sie bislang nicht sehr gut erforscht worden, schreibt das Team. Das müsse sich ändern: "Sie sollten für die Menschheit von großem Interesse sein." Die Forschungspapiere wurden in unterschiedlichen Fachmagazinen veröffentlicht.
(mho)