Themenmolekül: Blau fluoreszierende Erlenmeyerkolben
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute: Astronomie & Pornografie, mathematische Zahnstocherskulpturen sowie Frühmensch Lucy und das Internet.
- Peter Glaser
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Heute: Astronomie & Pornographie, mathematische Zahnstocherskulpturen, Frühmensch Lucy und das Internet sowie russischer Raumfahrtpropaganda-Bombast.
Dirty Space News – Astronomische Schweinereien: Drüben bei Astropixies sind sie zu dem Schluss gekommen, dass Astronomen als auch Astrophysiker sich nicht immer so superernst nehmen sollten. Und dass das Universum uns gelegentlich an Dinge erinnert. Also. Es gibt da einige Bilder kosmischer Objekte, etwa in einem aktuellen Forschungsbericht über die Hickson Compact Group 31, eine Ansammlung kleiner Galaxien, deren Gravitation ineinandergreift. In dem Papier ist eine nicht jugendfreie Abbildung der Galaxiengruppe zu sehen. Mehr hier, gleichfalls gemässigt NSFW.
High Heels und Damen – "Die Industrie von morgen braucht neue Chemikalien": Eine Werbeanzeige von Geigy (heute Novartis) aus den 60er Jahren.
Aberwitz und wissenschaftliches Haar: Die Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Annals of Improbable Research stecken gleichfalls hinter dem populären Ig-Nobelpreis und dem Luxuriant Hair Club for Scientists. Was die wenigsten wissen: Sie betreiben auch eine Abteilung namens Improbable TV mit ziemlih coolen Videoclips – "a series of 3-minute long bits-and-pieces videos that highlight the weirdest, funniest, and most amazing moments from science papers and research talks." (via Neatorama).
Wissenschaft versus Glaube: zwei Fußdiagramme drüben bei Geeks Are Sexy.
Durchschautes Kraut: Der britische Künstler Hugh Turvey hat Röntgenaufnahmen von Pflanzen angefertigt und damit bemerkenswerte und filigrane Bilder hervorgebracht. Seit seiner Kindheit war er fasziniert von dem, was unter der Oberfläche der Dinge steckt: "Meine Neugierde treibt mich an. Es geht um die Entdeckung der Welt um uns herum."
Kekswissenschaft vom Köstlichsten: Mitose (Zellkernteilung), anschaulich gemacht von Kevin Van Aelst mit Hilfe von Krispy Kreme-Donuts und bunten Zuckerstreuseln. Drüben bei Sciencepunk war auch schon mal eine Chromosomen-Tafel aus Fruchtgummiwürmern von Van Aelst zu sehen.
Das unendliche Gebäude: Die Firma des dänischen Architekten Bjarke Injels hat mit ihrem Entwurf für die neue Nationalbibliothek der kasachischen Hauptstadt Astana einen internationalen Wettbewerb gewonnen: Wenn das 33.000 Quadratmeter große Gebäude fertig sein wird, wird es die Form eines Möbiusstreifens haben.
Geometrie der Gosse: Das via Creative Commons lizensierte Buch "Street-Fighting Mathematics", in dem es um "kluge Fragen und opportunistische Problemlösungen" geht, basiert auf einer Vortragsreihe des Autors Sanjoy Mahajan am MIT. "Rules are for fools", sagt er, und: "mach alles, was funktioniert – steh nicht einfach herum!"
Anatomisch inspirierte Typographie für eine Veranstaltung des New Yorker Type Directors Club, der sich er hervorragenden Schriftgestaltung widmet. Die Arbeiten nutzen Synonyme, um einzelne Buchstabenelemente spielerisch hervorzuheben.
Mathematische Zahnstochermonde: Die Künstlerin Franceska McCullough fertigt Zahnstocher-Skulpturen, die von geometrischen Formen und astrophysikalischen Mustern inspiriert sind – etwa "Ganymede and Callisto Pod", ein Bildwerk, das auf die beiden größten Jupitermonde Ganymed und Callisto verweist. Wenn man nahe genug an die Skulptur herantritt, kann man auch das Orbitalmuster erkennen.
Pop-Röntgen: Drüben in Zen Tigers Blog mit dem bemerkenswerten Namen "Beware, There's A Crosseyed Cyclops in my Basement!!!" finden wir gruselig-genußreiche Grafiken wie diese: "The X-Man With the X-Ray Eyes".
Safe water is essential to humans: "Chemistry for Life" von Dosdecadatres war das laboratoriumsklare Eröffnungsvideo des siebten ANQUE International Congress, der Mitte Juni im spanischen Oviedo stattfand. Musik: Pascal Rogé spiel "Jeux d'eau" von Ravel.
Acht große wissenschaftliche Entdeckungen amerikanischer Forscher, von Benjamin Franklins Experimenten mit Elektrizität über die Genetik-Pionierarbeiten von Thomas Hunt Morgan an der Columbia University und die Entdeckung der Vorzeitmenschen Lucy und Ardi hin zur Entwicklung des Internet.
Im plakativen Stil von Raumfahrtpropaganda-Bombast: "Ehre des sowjetischen Wissenschaft" von N. S. Babin (1976).
Chillout für Chemiker: Der Teaser zu der EP "Discipline" der Elektronik-Band "Panic Bomber" aus Miami heißt "Morphologic" und ist den Freunden blau fluoreszierender Erlenmeyerkolben gewidmet (via Vimeo).
Miss Cellania drüben bei Neatorama wirft einen nichtmathematischen Blick auf mathematische Formen, sei es ein Super-Ei, ein Torus, ein Spidron, eine Bernoulli-Spirale oder eine Mandelbirne.
Der Wasserkraft-Taschenrechner ist zwar nicht besonders praktisch, macht aber als ökologischer Blickfang ordentlich was her. Das Wasser in dem Rechner muß etwa alle zwei bis drei Monate nachgefüllt werden. (bsc)