Astronomie: "Am weitesten von uns entfernter Stern" ist womöglich gar kein Stern

Vor dreieinhalb Jahren wurde der mit Abstand am weitesten entfernte Stern entdeckt. Womöglich handelt es sich aber gar nicht um ein einzelnes Objekt.

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Aufnahme einer Galaxie mit einem markierten Lichtpunkt und der BEschriftung Earendel

Das Bild des James-Webb-Weltraumteleskops von Earendel

(Bild: NASA, ESA, CSA / Dan Coe (STScI/AURA for ESA, JHU), Brian Welch (NASA-GSFC, UMD) / Zolt G. Levay)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Bei dem astronomischen Objekt "Earendel", das gegenwärtig als der mit Abstand am weitesten von uns entfernte bekannte Stern gilt, könnte es sich auch um einen Sternhaufen handeln. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Forschungsarbeit hervor, in deren Rahmen das Licht des Objekts neu analysiert wurde. Laut dem dafür verantwortlichen Forschungsteam von der University of California passen die spektroskopischen Daten sehr gut zu einer solchen dichten Ansammlung von Sternen, dieser Sternencluster wäre demnach zwischen 30 und 150 Millionen Jahren alt. Zudem würde Earendel genauso aussehen, wie wir uns bereits erforschte Sternhaufen in dieser Epoche des Kosmos vorstellen, hat Studienautor Massimo Pascale gegenüber Live Science erklärt.

Earendel wurde vor mehr als drei Jahren mit dem Weltraumteleskop Hubble entdeckt, wir sehen das Objekt weniger als eine Milliarde Jahre nach dem Urknall. Möglich war das dank eines besonders glücklichen Umstands: Ein immenser Galaxienhaufen zwischen uns und der fernen Galaxie von Earendel krümmt und fokussiert das Licht des Objekts genau so, dass es für einen begrenzten Zeitraum enorm vergrößert wird. Angenommen wurde, dass es sich um einen massereichen Hauptreihenstern der Spektralklasse B handelt, der etwa doppelt so heiß wie die Sonne und mehr als eine Million Mal so hell ist. Das hat Pascale die Idee gegeben, die Theorie zu prüfen, ob es sich nicht eher um eine Ansammlung von Sternen handeln könnte, erklärte er jetzt Live Science.

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Auch wenn die spektroskopischen Daten von Earendel nun gut zu einem Sternhaufen passen, heißt das nicht, dass die Frage zur Natur des Objekts damit beantwortet ist. Gegenüber dem Wissenschaftsmagazin hat ein Astronom aus dem Team, das ihn entdeckt hat, jetzt darauf hingewiesen, dass Pascales Gruppe keine alternativen Erklärungen überprüft hat. Es seien gar nicht alle vorstellbaren Szenarien untersucht und die Ergebnisse verglichen worden. Ob es sich bei Earendel nun um den mit Abstand fernsten Stern handelt oder nicht, können wohl erst weitere Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop James Webb klären, sind sich beide Astronomen einig. Die neue Analyse ist in den Astrophysical Journal Letters erschienen.

(mho)