Erfahrungswerte: Kamerakonzepte im Vergleich (III) – WB5500
Wenn von den riesigen Brennweitenbereichen aktueller Bridgekameras die Rede ist, wenden sich Fotopuristen meist schaudernd ab – dabei hat ein großer Zoombereich durchaus seine Reize. Der dritte Teil der Serie befasst sich mit der Bridgekamera WB5500 von Samsung.
- Robert Seetzen
Wenn von den riesigen Brennweitenbereichen aktueller Bridgekameras die Rede ist, wenden sich Fotopuristen meist schaudernd ab. Ich selbst sehe es, vor allem mit Blick auf den Freizeiteinsatz, etwas weniger streng: Mit ein und derselben Kamera sowohl Weitwinkeleffekte nutzen als auch weit entfernte Motivdetails formatfüllend ins Bild setzen zu können, finde ich immer wieder sehr verlockend. Weshalb ich dabei auch moderate Abbildungsschwächen in Kauf nehme, wird am ehesten durch einen Gewichtsvergleich zwischen meiner SLR und der hier getesteten Samsung WB5500 verständlich. Die WB5500 bringt inklusive Akku, Speicherkarte und Tragegurt ganze 446 Gramm auf die Waage, bietet aber dennoch ein 26-faches Zoom mit einer Kleinbild-Brennweite von 26 bis 676 Millimetern. Zum Vergleich: Das Zoomobjektiv meiner SLR wiegt bereits ohne Kamera 642 Gramm, hält aber, umgerechnet auf Kleinbildverhältnisse, lediglich eine Brennweite von rund 28 bis 300 Millimetern bereit. Das Gesamtpaket aus EOS40D, Akku, Speicherkarte, Schultergurt und Zoom wiegt stolze 1,5 kg. In Gefahrenlagen mag sie als rettendes Wurfgeschoss taugen, im friedlichen Alltag bleibt die SLR wegen ihrer Gewichtsprobleme gern daheim.
Transportfragen
Gemessen an schlanken Superzooms wie der zuvor bereits getesteten Samsung WB650 darf allerdings die WB5500 wie auch die Samsung NX5 nur als bedingt freizeittauglich gelten. In eine Hosentasche üblichen Zuschnitts passt sie sicher nicht, allenfalls in geräumigen Manteltaschen kann sie so eben noch unterkommen. Anders als eine SLR mit brennweitenstarkem Universalzoom lässt sie sich aber bequem in einem kleinen Stadtrucksack oder ähnlichen Taschen transportieren. Auch am Tragegurt in der Hand gehalten oder um den Hals gehängt, fällt sie viel weniger zur Last als meine SLR. Trotz ihrer kompakteren und leichteren Bauweise liegt sie ganz ähnlich in der Hand wie eine kleine Spiegelreflex, was vor allem bei Verwendung langer Brennweiten hilfreich sein und für größere Stabilität sorgen kann.
Auch ein elektronischer Okularsucher (EVF) gehört klassentypisch zur Ausstattung. An die klare und detailreiche Motivdarstellung eines optischen SLR-Suchers kommt das kleine, pixelige Sucherdisplay der WB5500 allerdings in keiner Weise heran. Selbst im Vergleich zum Farbmonitor der WB5500 fällt ihr Sucher deutlich zurück, sowohl in der Farb- und Detailwiedergabe wie auch im darstellbaren Dynamikumfang. Ich habe den Sucher am ehesten eingesetzt, wenn das auf dem Farbmonitor gezeigte Bild bei sehr hellem Umgebungslicht kaum mehr zu erkennen war. Nützlich fand ich den Sucher trotz seiner Mängel aber auch, um grenzwertig lange Verschlusszeiten durch eine möglichst feste und stabile Kamerahaltung auszugleichen. Für Portraits, Makros und andere Motive, bei denen auch relativ kleine Details ausschlaggebend sein können, kommt der Sucher aber nicht in Frage. Hier nur die WB5500 zu kritisieren, wäre allerdings unfair: Kein einziger Sucher der von mir bislang getesteten Bridgekameras wäre für eine Portraitsession oder ähnliche Zwecke geeignet.
Auskunftsfreudig
Das Display der WB5500 wiederum hat mir trotz seiner eher geringen Auflösung insgesamt gute Dienste geleistet. Wie der elektronische Sucher zeigt auch der Farbmonitor lediglich 230.000 Subpixel, also etwas mehr als 75.000 RGB-Pixel (QVGA-Auflösung). Wegen seiner natürlicheren Farbwiedergabe und der vor allem in den Schatten wesentlich besseren Tonwertabstufung habe ich dem Display aber fast immer den Vorzug gegeben. Die auf dem Display und im Sucher einblendbaren Aufahmeinformationen entsprechen gängigen Standards, ein Live-Histogramm ist also ebenso verfügbar wie ein Raster aus Drittellinien.
Etwas unter klassentypischen Standards rangiert die Bedienbarkeit der WB5500. Positiv ist mir, wie bereits bei der NX5 und der WB650, zunächst die Aufteilung der Menüs in ein umfassendes Hauptmenü und ein nur mit den wichtigsten Optionen ausgestattetes Schnellmenü aufgefallen. Zwar liegt die Blitzbelichtungskorrektur wie auch bei der WB5500 nicht im Schnell-, sondern im Hauptmenü, alle anderen häufig benötigten Optionen konnte ich aber entweder über das Schnellmenü oder über spezialisierte Tasten erreichen.
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