Digital-Radio ermöglicht Hörern gezielte Musik- und Programmauswahl

Die Digitalisierung des Radios wird dem Hörer nach Einschätzung eines Experten künftig eine noch gezieltere Auswahl von Musik- und Programmangeboten ermöglichen.

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  • dpa

Die Digitalisierung des Radios wird dem Hörer nach Einschätzung eines Experten künftig eine noch gezieltere Auswahl von Musik- und Programmangeboten ermöglichen. Die Empfangsgeräte könnten zum Beispiel ein Präferenzprofil des Hörers erstellen, sagte der Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen, Heinz Gerhäuser.

Werde etwa bei einem Musiktitel oder einem bestimmten Programm zu oft umgeschaltet, merke sich das Gerät dies und schalte beim nächsten Mal automatisch weg. Bis zum Freitag wollen sich in Erlangen rund 50 Fachleute bei einem Workshop des Instituts über aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen Übertragungstechnik austauschen.

Mit der digitalen Technik sei künftig sogar eine Reise in die nahe Vergangenheit möglich. Per Knopfdruck ist nach Aussage von Gerhäuser beispielsweise das eine Stunde zuvor gesendete Programm abrufbar, da die neuen Empfangsgeräten bis zu 1000 Sendestunden speichern könnten.

Denkbar sei auch, das künftig jedes Empfangsgerät eine Datenbank mit Musiktiteln hat; auf diese Weise würde es reichen, wenn die Rundfunkstation statt des kompletten Songs nur eine Nummer überträgt. Diese löse dann im Radioempfangsgerät einen Impuls zum Abspielen des jeweiligen Titels aus, erklärte der Direktor des Fraunhofer- Instituts. Auf diese Weise könnten Rundfunkstationen ihre Sendekapazität erhöhen.

Die digitalen Empfangsgeräte seien künftig auch in der Lage, den genauen Standort und die Reiserichtung des Hörers zu ermitteln, sagte Gerhäuser. So könne etwa der Autofahrer gezielt mit Verkehrsmeldungen für die vor ihm liegende Strecke versorgt oder über touristische Ziele abseits der Fahrtroute informiert werden.

Digitale Radioempfänger lassen sich zukünftig möglicherweise alleine über die Gedankenübertragung steuern. "Die Geräte der Zukunft werden sich dadurch unterscheiden, dass die Technik immer unsichtbarer wird", erklärte Gerhäuser. Rein technisch sei das heute schon möglich. Er rechne aber frühestens in fünf Jahren mit einem serienreifen Produkt.

Die Bedeutung des Radios wird nach Meinung von Gerhäuser generell unterschätzt: "Das Radio als 'Nebenher-Medium' spielt eine viel größere Rolle als den meisten Menschen bewusst ist", stellte der Wissenschaftler fest. (dpa) / (tol)