Internet-Väter und Internet-Regulierer machen sich Gedanken zu VoIP
Nach "IP over Everything", nun "Everything over IP": Politik, Wirtschaft und Verbände beraten über künftige Regulierungen, etwa bei Voice-over-IP; TCP/IP-Mitentwickler Vint Cerf betont derweil die Bedeutung von Entwicklungen wie VoIP.
Nach "IP over Everything", nun "Everything over IP": Vint Cerf, als einer Entwickler von TCP/IP manches Mal auch als "Vater des Internet" bezeichnet und eine der Galionsfiguren der IP-Welt, betont in einem Kommentar für den aktuellen Newsletter der europäischen Providerorganisation EuroISPA, die Bedeutung von Voice over IP. Das Herz der neuen Internet-Revolution sei nicht allein, dass Sprache transportiert werden kann, sondern, "dass mittels IP alle Arten von Medien kontrolliert und gemanagt werden können," schreibt Cerf.
"VoIP wird die konventionellen Sprachdienste nicht sofort vollständig ablösen -- kurzfristig werden leitungsvermittelte Dienste an manchen Stellen da bleiben, aber sie werden unaufhaltsam von paketvermittelten Diensten ersetzt werden", betonte Cerf gegenüber heise online. Dabei gibt er den kleinen Anbietern durchaus gute Chancen im Wettbewerb mit den langsamer nachziehenden großen Telcos. "Ich denke mal, die neuen Anbieter haben einen Vorsprung. Sie haben weniger Overhead und bekommen rasch Kunden per Mund-zu-Mund-Propaganda." Auf jeden Fall, erklärte Cerf, sei der Markt für die Netztelefonie reif. Herausforderung bleiben aus seiner Sicht die weitere Qualtitätsverbesserung und die Preisgestaltung, vor allem dann, wenn Netztelefonie als kostenloses Add-On zum Internet-Zugang angeboten wird.
Weniger über die Preise als über ein Zuviel an Regulierung von VoIP macht sich die Internet Innovation Alliance (IIA) Sorgen, eine frisch gebackene Initiative von US-VoIP-Anbietern wie Pulver.com, AT&T, CapNet, Comptel/ASCENT oder Covad. Angesichts erster Initiativen in einzelnen US-Bundesstaaten, VoIP-Angebote gesetzlich zu regeln, beschwören sie die Politik: "Richtet keinen Schaden an!" Neue Technologie lasse sich nicht immer in alte Regulierungsregime pressen, mahnt die IIA außerdem und empfiehlt mit Blick auf erklärte öffentliche Ziele -- etwa Überwachung -- die Technologien nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung zu begreifen.
Auf jeden Fall müsse die Maxime Zurückhaltung bei der Besteuerung und Begrenzung der Regulierung von Internet-Technologie beibehalten werden, dies umso mehr, als die USA inzwischen bei der Breitbandpenetration vom dritten auf den zehnten Platz der OECD-Länder zurückgefallen sei. Dass US-Senator John Sununu im Sommer mit einem Drei-Jahres-Regulierungsmoratorium gescheitert ist, gilt den IIA-Mitgliedern und ihren beiden Vorsitzenden, Bruce Mehlman und Larry Irving, als Menetekel. Mehlmann und Irving waren beide in der Telekommunikationsadministration tätig, Mehlmann unter Bush, Irving unter Clinton.
Der derzeitige Chef der US-Regulierungsbehörde FCC, Michael Powell, hat sich mit seinen europäischen Kollegen bei der Sitzung der European Regulators Group (ERG), dem Gremium aller europäischen Regulierungsbehörden, über das Thema VoIP verständigt. "Die Diskussionen haben sich darauf konzentriert, wie VoIP regulatorisch gesteuert werden und dabei seine Entwicklung befördert werden kann", schreibt die ERG nach dem Treffen. ERG und FCC sähen gleichermaßen die Notwendigkeit, schnell auf die aktuelle Marktentwicklung zu reagieren und den besten Weg für die Entwicklung von VoIP herauszufinden. Die ERG will bis zum Dezember eine gemeinsame Position zur VoIP-Regulierung erarbeiten. (Monika Ermert) / (jk)