Die Messe der ewigen Bilder
Das digitale Bild ist mehr als ein Virenträger, sondern wandelt sich zu einem ewigen Bild, das immer da ist, immer verfügbar und immer mit den neuesten Maschinen ausdruck- oder sonstwie darstellbar, hieß es zur Eröffnung der Photokina.
Mit Schwung und Optimismus wurde in Köln die Photokina von Jochen Witt, Chef der Kölnmesse, eröffnet. Vorbei das Lamentieren über die das Analoge dahinraffende Digitalfotografie, denn das Gegenteil wird begrüßt. Zum Start der Messe versuchte sich ein Panel hochrangiger Industrievertreter auf einem "Global Summit" als Visionäre, die Trends der Zukunft zu erklären. Das digitale Bild ist mehr als ein Virenträger, sondern wandelt sich zu einem ewigen Bild, das immer da ist, immer verfügbar und immer mit den neuesten Maschinen ausdruck- oder sonstwie darstellbar.
Hisatayo Kato, Senior-Vizepräsident von Fujifilm, erklärte die "eternal images" flugs zum Teil eines neuen "global memory", während Bryan Lamkin von Adobe sich für das digitale Negativ zuständig erklärte, das die ewigen Bilder auch noch in 15 oder 20 Jahren zugänglich macht. Juha Putkiranta, beim Messeneuling Nokia verantwortlich für alle Telefone mit eingebauten Kameras, verwies darauf, dass Nokia der weltgrößte Anbieter von Digitalkameras sei. "Wir verkaufen von heute an bis Weihnachten mehr Kamerahandys, als es derzeit weltweit Digitalkameras gibt", verkündete Putkiranta selbstbewusst. "Wir verkaufen in Gegenden, wo Menschen noch niemals ein Foto von sich selbst gesehen haben und die ersten Fotos aus ihrem Leben im Display eines Mobiltelefones sehen."
Richtig visionär wollten die Visionäre allerdings nicht werden. Gedrängt vom Moderator Alexis Gerard sollten sie erklären, wohin die Explosion der Bildsensoren führen wird. Während Gerard von Nano-Kameras schwärmte, die in Zukunft der Wandfarbe beigemischt werden und Bildcluster zur nahtlosen Überwachung aller Räume bilden, wollten die Visionäre gerade einmal Kameras in Autos gelten lassen und zuckten schon bei der Vorstellung, sich im Bad kameragestützt von allen Seiten betrachten zu können. Die "unumkehrbare Revolution der Bildproduktion" (Putkiranta) führt nicht nur zu einer Explosion der Bildsprache, sondern auch zur Explosion der Sicherheit, wie Kodaks Vizepräsident Bernard Masson das Problem umschrieb, dass Menschen nicht nur ein Fotohandy besitzen, sondern auch eine Privatsphäre.
Bis zum 3. Oktober können in Köln die ewigen Bilder bestaunt werden: Im Jahre 2004 sind nach Schätzungen von Fujifilm 2 Milliarden digitale Bilder gemacht worden, was auf eine Verdoppelung der Zahlen vom Vorjahr herausläuft. Diese Bilderflut einem Fotomarkt zuzuführen ist die vornehmste Aufgabe der Messe. "Leider verlässt ein großer Teil der digitalen Bilder niemals die Festplatte eines Computers oder die CD und ist daher vom Crash oder vom Aussterben des Trägermediums bedroht. Nur der belichetete Abzug auf gutem Fotopapier ist zukunftssicher. Papierabzüge sind die Lebensversicherung für digitale Bilder, das muss die junge Generation noch lernen", erklärte der deutsche Fujifilm-Geschäftsführer. Auch das Hardware-Problem der ewigen Bilder auf nicht so ewigen Datenträgern soll angegangen werden. Zusammen mit Eastman Kodak und Konica Minolta hat seine Firma den PASS-Standard in Köln vorgestellt, das Picture Archiving and Sharing. PASS soll die Kompatibilität digitaler Dateien mit noch unbekannten zukünftigen Abspielgeräten sicherstellen. (Detlef Borchers) / (jk)