Bundesregierung will deutsche Sicherheitssoftware international stärker vermarkten
Mit einem Aktionsplan will das Wirtschaftsministerium der Krypto-Industrie unter die Arme greifen, während das Innenministerium den Schutz kritischer Infrastrukturen gemeinsam mit der Wirtschaft zu verbessern sucht.
Vertreter des Bundeswirtschafts- und Bundesinnenministeriums haben auf der Konferenz Information Security Solutions Europe (ISSE) in Berlin Initiativen zur Stärkung der schwächelnden deutschen IT-Security-Industrie angekündigt. Dabei geht es zum einen um die bessere Vermarktung von Kryptolösungen. Zum anderen soll der Schutz der für die Informationsgesellschaft besonders wichtigen Infrastrukturen rund um die Energieversorgung, die öffentliche Sicherheit, das Bankenwesen oder die Telekommunikationssysteme, die so genannten kritischen Infrastrukturen (Kritis), gemeinsam mit der Wirtschaft verbessert werden.
Im Bereich der Verschlüsselungssoftware wird die Bundesregierung laut Rezzo Schlauch, parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, "einen Aktionsplan zur Stärkung der Verkaufsaussichten deutscher Produkte in internationalen Märkten" auflegen. Als Hauptziele nannte Schlauch Osteuropa und Südostasien. Aufbauen soll die Initiative vor allem auf der "stark nachgefragten Expertise", die deutsche Firmen in diesem Gebiet durch die liberale Kryptopolitik der Bundesregierung dem Grünen-Politiker zufolge seit 1999 erreicht hat. Die Freigabe von Verschlüsselungssoftware habe zu einem breiten Einsatz der Technologie geführt und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in diesem Sektor vorangetrieben. Zum genauen Zeitplan der Marketingaktion will sich das Ministerium noch nicht äußern, noch würden auch Verhandlungen mit den beteiligten Unternehmen geführt, hieß es. Klar ist bereits, dass auch deutsche Open-Source-Entwicklungen wie die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Auftrag gegebene und unter anderem vom Auswärtigen Amt genutzte SINA-Netzwerk-Architektur eingeschlossen werden soll.
Fritz Rudolf Körper, Staatssekretär im Innenministerium, gab darüber hinaus bekannt, dass die Bundesregierung einen nationalen Kritis-Plan vorlegen will. Darin sollen die bisherigen Einzelverabredungen zum Schutz der kritischen Infrastrukturen mit der Wirtschaft zusammengefasst werden. "80 Prozent davon sind in privatwirtschaftlicher Hand", betonte Körper die Notwendigkeit zur Kooperation beim gemeinsamen Gewährleisten von Sicherheit. IT-Security werde hierzulande als fester Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie gesehen, führte er weiter aus. "Heute fürchtet über die Hälfte der Menschen am PC, ausspioniert zu werden", betonte der Staatssekretär. "Wer die Informationsgesellschaft gestaltet, muss diese Bedrohung ernst nehmen. Sonst haben technologische und gesellschaftliche Innovationen keine Chance." (Stefan Krempl) / (jk)