Wiener GrĂĽne wollen Open-Source-Kompetenzzentrum
Die Entscheidung für Open Source in der Stadtverwaltung sei ja leider eher zögerlich ausgefallen. Ein stärkeres Bekenntnis der Stadt zu Open Source sei notwendig, um den lokalen Wirtschaftsstandort zu stärken, meinen die Grünen in Wien.
Ein Kompetenzzentrum für Open-Source-Software wünschen sich die Wiener Grünen für die österreichische Bundeshauptstadt. "Die Entscheidung für Open Source in der Stadtverwaltung ist ja leider eher zögerlich ausgefallen", sagte die Technologiesprecherin der Wiener Grünen, Marie Ringler, am heutigen Mittwoch in Wien zu heise online, "ab nächstem Jahr wird allen Abteilungen freigestellt, ob sie auf Linux und Open Office umsteigen oder bei Microsoft bleiben. Ein stärkeres Bekenntnis der Stadt zu Open Source ist notwendig, um den lokalen Wirtschaftsstandort zu stärken." Von ihrem Konzept eines "Open Mind Centers" will Ringler nun die in der Stadt Wien mit absoluter Mehrheit regierende SPÖ überzeugen.
"Die Szene der Open-Source-Unternehmen zeichnet sich durch besondere Kleinteiligkeit und Vielfalt aus. Unter einander kennen sich die Einzel- und Kleinunternehmer immerhin teilweise, einer breiten Öffentlichkeit sind ihre Leistungen aber oft verborgen", meint Ringler. "Das 'Open Mind Center' soll nun einerseits Öffentlichkeit und damit auch Markt für Open-Source-Dienstleistungen schaffen, aber noch konkreter die lokale Wirtschaftskraft stärken." Den Plänen der Grünen zufolge soll das Center als Tochterunternehmen des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) eingerichtet werden und eng mit Unternehmern und Forschungseinrichtungen der Region sowie dem Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds zusammenarbeiten.
Zu den zahlreichen Aufgaben des Kompetenzzentrums soll die Abwicklung von auf Open Source Produkte zielgerichteten Ausschreibungen und die Koordinierung von Fördertätigkeiten verschiedener Einrichtungen von Stadt und Bund gehören. Zunächst soll hiedurch Know-how und Software geschaffen werden, die für die Stadt Wien im Rahmen eines Umstieges auf Linux erforderlich sind. Als Informationsdrehscheibe für Unternehmen und potenzielle Kunden sollen Daten über Ausschreibungen in ganz Europa und Informationen über die Dienstleistungsangebote von in der Region Wien ansässigen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise sollen Kunden und Anbieter zusammengeführt werden. Die Softwareanbieter sollen zudem unter einer Dachmarke vernetzt und vermarktet werden, wobei sich auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den angrenzenden Regionen in Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn beteiligen können.
Die weiteren Tätigkeitsbereiche sollen die Einrichtung eines Showrooms, die Zusammenarbeit mit Schulungszentren des Arbeitsmarktservice, Lobbying sowie die Vermarktung von Open-Source-Vorteilen umfassen. Hinzu kommt die Vernetzung mit anderen Kommunen, die auf Open Source setzen -- beispielsweise München. Als internationale Referenzbeispiele werden von den Wiener Grünen Open Advantage in Birmingham, das Asian Open Source Center, das Meraka Open Source Center in Südafrika und das Online-Projekt Nordic Open Source im skandinavischen Raum genannt.
Beim WWFF zeigt man sich auf Anfrage von heise online erfreut über die Initiative, bleibt aber unverbindlich. "Der offene Zugang auf die Thematik ist strategisch eine ganz wichtige Sache", sagte Geschäftsführer Bernd Rießland, "als Wirtschaftsförderungseinrichtung finde ich das Einschwenken der Stadt auf Open Source sehr gut. Das ist auch mit Know-how-Aufbau verbunden." Derzeit laufe eine Ausschreibung für Förderungen für Open-Source-Projekte über insgesamt zwei Millionen Euro. Je nach Resonanz werde man sich der Thematik schrittweise weiter nähern. Es werde aber "nicht für jeden Wirtschaftsbereich ein eigenes Tochterunternehmen" des WWFF geben, betonte Rießland. Der SPÖ-Gemeinderat Andreas Schieder reagierte in einer Aussendung: "Den Grünen ist offenbar noch nicht aufgefallen, dass Wien schon längst ein Kompetenzzentrum im Bereich Open Source Software ist -- das zeigt auch die zuletzt vereinbarte Kooperation mit der Stadt München in diesem Bereich." Die Stadt habe "bereits seit vielen Jahren Open-Source-Software im Serverbereich im Einsatz". Von 16.000 Arbeitsplätzen seien 7.500 theoretisch auf Open Source migrierbar, erklärte der SPÖ-Politiker, der Wien "in der glücklichen Lage, den Weg des 'sanften' Umstiegs gehen zu können", sieht. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)