Ist Googles Meta-Newsdienst rechtslastig?

Bei einer Untersuchung von Google News entdeckte ein Medienwissenschaftler, dass der Nachrichtendienst konservativ orientierte Nachrichten bevorzugt.

vorlesen Druckansicht 110 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Christiane Schulzki-Haddouti

Bei einer Untersuchung von Google News entdeckte der US-Medienwissenschaftler J. D. Lasica, dass der computergenerierte Nachrichtendienst konservativ orientierte Nachrichten bevorzugt. Während etwa bei Yahoo News eine Redaktion die Nachrichten auswählt, übernimmt dies bei Google News ein Algorithmus.

Wie Lasica im Online Journalism Review berichtete, fanden sich am 24. August unter dem Link "John Kerry" in der Rubrik "In the News" von 100 Suchresultaten 33 Resultate zweitrangiger Quellen, die gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten agitierten. Dabei handelte es sich um konservativ orientierte kleine Websites. Eine Suche nach dem amtierenden Präsdidenten George W. Bush ergab hingegen ein ausgewogenes Suchergebnis.

Krishna Bharat, der fĂĽhrende Entwickler von Google News, betonte, dass der Google-Newsalgorithmus keinen Unterschied zwischen rechts- und linksgerichteten Quellen macht. Der Algorithmus reflektiere "die Welt, wie sie ist".

Ethan Zuckerman vom Berkman Center for Internet and Society an der Harvard Law School vermutet hingegen, dass im Falle von Kerry das Suchergebnis aus der Art der Anfrage herrühren könnte. Google News sucht nach der Begriffskonstellation "John Kerry". Geben Besucher hingegen nur "Kerry" ein, erhalten sie ein ausgewogeneres Ergebnis, da Mainstream-Medien häufig nur den Begriff "Kerry" verwendeten, während kleine Websites öfter auch den Vornamen nennen.

Durch die Auswahl der richtigen Formulierungen spielen also die Betreiber kleiner Sites, wie es Zuckerman ausdrĂĽckt, Katz und Maus mit Google News. Sie erreichen, dass ihre eher zweit- und drittklassigen Sites an prominenter Stelle in dem News-Dienst vertreten sind. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (jo)