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Ein studentisches Lieblingsprojekt zur Weltverbesserung ist im Netz erstaunlich erfolgreich verlaufen: die Abschaffung des Geldes.

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Von
  • Peter Glaser

Ein studentisches Lieblingsprojekt zur Weltverbesserung ist im Netz erstaunlich erfolgreich verlaufen: die Abschaffung des Geldes.

Ein Buch um 20 Euro bei Amazon zu kaufen – kein Problem. Aber wenn es darum geht, schnell mal einen Zeitungsartikel für 5 Cent mitzunehmen, wird es unerwartet schwierig. Das mag damit zu tun haben, dass das Internet das erste Massenmedium in der Geschichte ist, das nicht in einem kommerziellen Zusammenhang entstanden ist. Das WWW war ursprünglich als Werkzeug zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit gedacht. Das, was manche heute als "Geburtsfehler" des Internet sehen wollen, ist in der ethisch bedingten antikommerziellen Grundhaltung von Wissenschaftlern begründet, die das Netz in den ersten Jahren getragen haben. Ein studentisches Lieblingsprojekt zur Weltverbesserung aus dieser Ära, nämlich die Abschaffung des Geldes, ist, wie wir nun sehen, erstaunlich erfolgreich verlaufen – zumindest was das Kleingeld betrifft.

Dieses digitale Kleingeld aber, die "lousy pennies", wie der Verleger Hubert Burda es nennt, ist der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg im Netz. Eines der wesentlichen Merkmale des Medienwandels ist nämlich, dass sich Massenmedien nun in Medienmassen verwandeln. Die Angebote werden vielfältiger und zugleich kleinteiliger. Und niemand will sich, nur um 5 Cent zu bezahlen, erst hier und da und dort umständlich registrieren müssen. Bei etwas größeren Beträgen fällt das nicht so auf. Der ganze E-Kommerz hat einfach die altbewährten Überweisungsmodelle des Versandhandels übernommen, für materielle Waren funktioniert das auch ganz gut. Bei digitalen Gütern hat sich zudem die Neigung herausgebildet, es erst einmal umsonst zu versuchen. Bei Software oder Musik ist das manchmal verboten, ein Geschäftsmodell wie Apples iTunes Store zeigt aber auch, dass es erfolgreich anders geht. News und Zeitungsartikel dagegen stehen weitgehend frei im Netz – noch.Doch das könnte sich schon bald ändern.

Die besten Abrechnungsmodelle für Kleinbeträge haben eigentlich die Netzprovider und Telekoms in der Hand, da der Netzzugriff prinzipiell kostenpflichtig und die monatliche Abrechnung standardisiert ist. Und ob ein Online-Anbieter eine Provision an eine Kreditkartenfirma, an PayPal oder an einen Netzbetreiber entrichtet, ist eher zweitrangig, wenn dadurch ein solches System für Nutzer überhaupt akzeptabel würde. Stattdessen will nun erst einmal die Deutsche Post Verlagen dabei helfen, Bezahlmodelle im Internet zu entwickeln. Das soll mit Hilfe des sogenannten "Online-Briefs" geschehen, mit dem sich rechtsverbindlich E-Mails und damit natürlich auch Zahlungsanweisungen verschicken lassen.

Die Pioniere des digitalen Kleingelds haben es nur knapp oder gar nicht ins neue Jahrtausend geschafft. Die von dem Kryptographiespezialisten David Chaum 1990 gegründete Firma DigiCash ging 1998 pleite. CyberCash, 1994 im aufkommenden Internet-Boom gestartet, brachte das Micropayment-System CyberCoin auf den Geldmarkt, fiel am 1. Januar 2000 dem Jahr-2000-Bug zum Opfer und ging im März 2001 in Konkurs. Die Überreste des Unternehmens wurden Ende 2005 von PayPal gekauft. Ähnlich wie Googles Zahlungsdienst Checkout ist aber auch die zweite Generation der virtuellen Kleingeldneuerfinder nicht besonders erfolgreich. Amerikanischen Händlern knöpfte Google zeitweise 2% des Zahlungsbetrags plus eine Gebühr von 20 US-Cent pro Transaktion ab – einzelne Zeitungsartikel etwa lassen sich damit nicht gewinnbringend anbieten.

Und während sich ganze Wirtschaftszweige darum bemühen, die Abwicklung von Krümelbeträgen in der digitalen Welt möglichst attraktiv, einfach und zuverlässig zu machen, soll nun auch das reale Kleingeld verschwinden. In den USA hat sich eine Bewegung formiert, die den Penny abschaffen will – die 1-Cent-Münze. Zwei Gesetzesvorlagen sind nur knapp gescheitert. Zu den Argumenten für die Abschaffung der Geldstücke gehört, dass es inzwischen 1,7 Cent kostet, eine 1-Cent-Münze herzustellen und die Gefahr besteht, dass die Münzen illegal eingeschmolzen und zum Materialwert verkauft werden. Wahrscheinlich übers Internet. (bsc)