Schwarze Löcher: Dunkle Materie könnte Planeten wie Jupiter von innen zerstören

Es gibt verschiedene Modelle dazu, woraus Dunkle Materie besteht. Eines hätte zur Folge, dass sie Riesenplaneten wie den Jupiter regelrecht auffressen könnte.

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Der Jupiter

Der Jupiter mit dem Großen Roten Fleck

(Bild: NASA/STSCI (S.T.A.R.S))

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Unter bestimmten Umständen könnte sich die mysteriöse Dunkle Materie in besonders großen Planeten ansammeln, zu einem Schwarzen Loch kollabieren und schließlich den ganzen Himmelskörper konsumieren. Das meinen zumindest ein Forscher und eine Forscherin der University of California. Sollte man solch ein Schwarzes Loch der Masse eines Gasriesen wie Jupiter tatsächlich entdecken, wäre das ein großer Durchbruch, meint mit Mehrdad Phoroutan-Mehr einer der beiden. Zum einen würde das enorm zum Verständnis der Dunklen Materie beitragen, zum anderen auch beweisen, dass solche kleinen Schwarzen Löcher tatsächlich weiterhin entstehen können. Sollten solche Objekte nicht gefunden werden, wäre das ebenfalls ein Erkenntnisgewinn.

Wie die beiden erläutern, haben sie ihrer Arbeit ein Modell der Dunklen Materie zugrunde gelegt, laut dem die aus besonders schweren Partikeln besteht, die einander nicht zerstören. Weil Dunkle Materie experimentell noch immer nicht nachgewiesen wurde, ist unklar, woraus sie genau besteht und es existieren verschiedene Modelle dafür. Sollte das jetzt analysierte Modell zutreffen, dann würde sich Dunkle Materie in großen Gasplaneten anreichern und schließlich Schwarze Löcher bilden, fasst Phoroutan-Mehr das Studienergebnis zusammen. Das müsste in beobachtbaren Zeiträumen passieren, möglicherweise sogar so, dass in der Lebenszeit eines Exoplaneten mehrere Schwarze Löcher darin entstehen. Am Ende stünde ein um einen Stern kreisendes kleines Schwarzes Loch.

Die jetzt im Fachmagazin Physical Review D veröffentlichte Arbeit weist damit den Weg für den Rückgriff auf Exoplaneten bei der Erforschung der Dunklen Materie. Phoroutan-Mehr erklärt, dass dafür bislang nur verschiedene Sterntypen herangezogen wurden. So würden einige Modelle der Dunklen Materie nahelegen, dass diese etwa Neutronensterne aufheizen könnte. Wenn man also alte und kalte Exemplare dieser Himmelskörper finde, könne man bestimmte Eigenschaften von Dunkler Materie ausschließen. Sollte man nun also eine Population von Schwarzen Löchern entdecken, die nur die Masse von Planeten haben, wäre das ein starker Hinweis darauf, dass das Modell der sehr schweren, sich nicht zerstörenden Dunklen Materie zutrifft.

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Wie genau sich diese vergleichsweise kleinen Schwarzen Löcher nachweisen lassen sollen, deutet der Physiker nur an. So wäre die Wahrscheinlichkeit, sie zu finden, dort besonders hoch, wo viel Dunkle Materie vermutet wird. Das sei etwa im Zentrum unserer Milchstraße der Fall. Bislang wurden nur Schwarze Löcher entdeckt, die mindestens ein Vielfaches der Masse unserer Sonne in sich vereinen, solche von Planetengröße wären drastisch kleiner. Phoroutan-Mehr weist noch darauf hin, dass die Dunkle Materie Exoplaneten – und Planeten in unserem Sonnensystem – auch aufheizen könnte. Das wäre womöglich mit nicht so weit entfernter Technik nachweisbar, sagt er.

(mho)