Mit mehreren Millionen km/h: Weiße Zwerge können einander aus Galaxie schleudern

Nachdem mehrere hyperschnelle Weiße Zwergsterne entdeckt wurden, gibt es nun eine Erklärung. Die Objekte sind das Produkt einer doppelten Sternenexplosion.

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Zeichnung zweier Sterne, die über Material miteinander verbunden sind.

Künstlerische Darstellung der Entstehung eines hyperschnellen Weißen Zwergs

(Bild: Technion – Israel Institute of Technology)

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Wenn zwei Weiße Zwergsterne eines ganz bestimmten Typs miteinander kollidieren, kann eine doppelte Explosion des einen den anderen auf eine Geschwindigkeit von mehr als 8 Millionen km/h katapultieren und aus einer Galaxie schleudern. Das haben jetzt vorgestellte Simulationen eines deutsch-israelischen Forschungsteams ergeben, die damit wohl die Erklärung für genau solche hyperschnellen Sterne liefern, von denen bereits mehrere entdeckt wurden. Erstmals könne man anhand der Modellierung jetzt nicht nur die enorme Geschwindigkeit solcher Objekte erklären, sondern auch deren ungewöhnliche Temperatur, erklärt die Technische Universität Israels aus Haifa.

Hyperschnelle Weiße Zwerge sind erst seit Kurzem bekannt, vor zwei Jahren wurden mehrere in den Daten des Weltraumteleskops Gaia entdeckt. Ihnen gemein sind Geschwindigkeiten von mehr als 1300 km/s (4,7 Millionen km/h), der schnellste von ihnen kommt sogar auf eine Geschwindigkeit von 8,5 Millionen km/h. Das ist genug, um der Gravitation der Milchstraße zu entkommen, wie sie derart beschleunigt wurden, war bislang ein Rätsel. Hinzu kam, dass die Sterne unerwartet heiß sind. An der Modellierung mit rechnerintensiven Simulationen waren jetzt auch Forscher der Universität Potsdam und des Max-Planck-Instituts für Astrophysik beteiligt.

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Herausgefunden hat die Gruppe, dass mehrere Umstände zusammenkommen müssen, bevor diese "stellaren Kanonenkugeln" durch die Galaxie geschossen werden. Ausgangspunkt seien zwei Weiße Zwergsterne eines bestimmten Typs, die in dramatischer Weise miteinander kollidieren. Der kleinere werde dabei teilweise zerlegt, während der größere gleich zweimal explodiert. Dadurch werde der kleinere erhitzt beziehungsweise ins All katapultiert, und zwar genau mit diesen extremen Geschwindigkeiten. Das Team plädiert nun dafür, in den Gaia-Daten nach weiteren Exemplaren zu suchen. Die Forschungsarbeit wurde in Nature Astronomy veröffentlicht.

(mho)