Niq: Refurbished Smartphones legen in Deutschland zu – und Premium

Niq (ehemals GfK) hat Zahlen zum deutschen Smartphonemarkt veröffentlicht: Der Refurbished-Markt legt zu, für Neugeräte wird abermals mehr ausgegeben.

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Junge Frau mit rotblonden Locken und orangefarbenem Pullover am Smartphone in einem Wohnzimmer.

(Bild: insta_photos/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Laut Konsumentenumfragen von Nielsen IQ (Niq, ehemals GfK) liegt der Marktanteil von Refurbished-Geräten in Deutschland bei mindestens zehn Prozent. Dies entspricht den Marktforschern zufolge aktuell etwa 1,8 Millionen verkauften refurbished Smartphones in den vergangenen zwölf Monaten. Refurbished-Produkte würden den Zeitgeist bedienen, so Niq.

Den heise online vorliegenden Niq-Zahlen zufolge ist der Markt für refurbished Smartphones gewachsen: Im zweiten Quartal 2025 wurden im Vergleich zum ersten Quartal 33 Prozent mehr refurbished Geräte verkauft. Jedoch ist für Niq das Segment recht neu: Seit August 2025 erfassen die Marktforscher erstmals die Abverkäufe von refurbished Smartphones. Daten dafür stammen aus den Jahren 2024 und 2025.

Alexander Dehmel, Niq-Experte für technische Konsumgüter, sagt: "Refurbished Produkte bedienen den Zeitgeist: Geräte werden länger benutzt, was gut für die Umwelt ist, und gleichzeitig sinken die Kosten für die Konsumenten durch günstigere Geräte." Laut den Marktforschern stellen refurbished Produkte für viele Käufer eine echte Alternative dar, da Händler Garantie, zum Teil neue Akkus und geprüfte Technik böten und "sie dann eine entsprechende Sicherheit haben". Zudem treffe das Thema den "Nerv von Nachhaltigkeit, Preisbewusstsein und Konsumethik".

Kunden legen den Zahlen zufolge für ein refurbished Smartphone deutlich weniger Geld als für ein neues Gerät hin. Im ersten Halbjahr gaben Konsumenten im Schnitt 423 Euro für ein refurbished Gerät aus, während für ein Neugerät im Schnitt 727 Euro auf den Tisch gelegt wurden. Für Smartphones stellt es einen weiteren Preissprung seit 2023 dar: Anfang 2024 schrieb Niq, dass der durchschnittlich bezahlte Preis für ein neues Smartphone in Deutschland bei 701 Euro lag. Damit stieg der Preis für ein Neugerät um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Smartphoneabsatz in Deutschland – Januar bis Juli 2025.

(Bild: NIQ)

Allgemein habe sich der Markt für Smartphones in Deutschland in Wert wie auch Menge negativ entwickelt, erklärt Niq-Experte Sebastian Woldmann. Durch den Preisanstieg um drei Prozent sei der Rückgang in Wert (- 2,9 Prozent) nicht ganz so stark wie in Menge (- 5,8 Prozent). Premium-Smartphones, also jene Modelle, die 1200 Euro und mehr kosten, würden in Deutschland derweil ein positives Wachstum von plus fünf Prozent hinlegen. Als Ursachen für den tendenziell schwächelnden Markt nennt Woldmann, dass Konsumenten ihre Smartphones länger nutzten, und der Markt gesättigt und wenig innovativ sei.

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Nicht nur in Deutschland scheinen Refurbished- aber auch Premium-Produkte stärker in den Fokus zu geraten und Konsumenten ihre Smartphones länger zu behalten. Niq zufolge greifen Konsumenten beim Neukauf eher zu höherwertigen Modellen, während vornehmlich "Einstiegsnutzer verstärkt auf generalüberholte Geräte setzen".

Als Beispiel nennt Niq den französischen Markt: Dort machen refurbished Geräte "inzwischen 41 Prozent des Sub-600-Euro-Segments aus". Diese Preisklasse entspricht in etwa der Mittelklasse. Jedoch erhält man für um die 600 euro mittlerweile auch ein Premium-Smartphone aus dem Vorjahr.

Unabhängig von den Niq-Zahlen dürfte der Refurbished-Markt in der EU weiter zulegen. Denn durch die im Juni 2025 in Kraft getretene Ökodesign-Verordnung haben Smartphones unter anderem eine garantierte Lebenszeit erhalten: Hersteller müssen Geräte fünf Jahre (nach Verkaufsende) mit Softwareupdates versorgen, wodurch sie länger sicher genutzt werden können. Außerdem sind sie dazu verpflichtet, Ersatzteile für einen längeren Zeitraum anzubieten.

(afl)