Autonome Unterwasserdrohnen: Australien kauft Ghost Sharks für 1,1 Milliarden
Australiens riesige autonome Unterwasserdrohne "Ghost Shark" geht in die Serienproduktion. Die Drohne ist Teil der Modernisierung der australischen Marine.
Die Ghost Shark auf einem Dock in Sydney.
(Bild: Kym Smith/Australian Government of Defense)
Die Royal Australian Navy (RAN) hat das Rüstungsunternehmen Anduril damit beauftragt, eine Flotte autonomer Unterwasserdrohnen des Typs Ghost Shark zu bauen. Wie Anduril am Dienstag mitteilte, hat der Auftrag ein Volumen von 1,7 Milliarden Australischen Dollar (etwa 1,12 Milliarden US-Dollar). Wie viele der von der Royal Australian Navy und Anduril entwickelten, 30 m langen Unterwasserdrohnen erstellt werden, ist zunächst unklar.
Mitte 2022 war das "Ghost Shark"-Projekt begonnen worden. Das Ziel: eine militärische Unterwasserdrohne zu entwickeln, die autonom vor der Küste Australiens operiert. Die Unterwasserdrohne soll dabei Überwachungs-, Erkundungs- und Aufklärungsfahrten durchführen und im Ernstfall auch gegnerische U-Boote ausschalten. Entwickelt wurde die Drohne von Anduril in Kooperation mit der RAN sowie dem Advanced Strategic Capabilities Accelerator (ASCA) und der Defense Science and Technology Group (DSTG). Innerhalb von drei Jahren gelang es den Beteiligten, die autonome Ghost Shark zu entwickeln und zur Serienreife zu bringen.
Die Ghost Shark kann in Tiefen bis zu 6000 m selbstständig operieren und bis zu 10 Tage lang unter Wasser bleiben. Die Reichweite sei extrem hoch und die Drohne für den Feind nur schwer auszumachen, heißt es von Anduril.
Der strukturelle Aufbau der Ghost Shark ist modular ausgelegt. Ein Teil der Module kommt aus dem 3D-Drucker, hieß es von Anduril in einer Mitteilung während der Entwicklungsphase. Das habe es erst möglich gemacht, Lernprozesse während der Entwicklung schnell umzusetzen und damit die Entwicklungszeit zu verkürzen.
Die Finanzierung erfolgte von Anduril und RAN gemeinsam, ein eher ungewöhnliches Vorgehen bei einem staatlich angestoßenen Rüstungskonzept. Anduril ging hier zunächst in Vorleistung, bevor eine Vereinbarung getroffen wurde, und kaufte Dive Technologies, einen Spezialisten für autonome Unterwasserdrohnen.
Serienproduktion beginnt
Zudem hat Anduril für 60 Millionen Dollar eine Produktionsstätte aufgebaut, in der die Ghost Shark in Serie gebaut werden soll. 150 Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen. Zunächst werde Australien die autonomen Unterwasserdrohnen exklusiv einsetzen, danach sollen sie auch verbündeten Ländern zum Kauf angeboten werden. Wie viele der Ghost Sharks für den Eigengebrauch hergestellt werden, darüber schweigen die RAN und Anduril.
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Australien beabsichtigt, die Ghost Shark vor Küstengewässern operieren zu lassen. Dabei geht es vor allem um die unruhige militärische Lage im Pazifik und die wachsende Bedrohungslage durch China. Immer wieder würden chinesische militärische Aufklärungsboote in australische Gewässer eindringen. Die Ghost Sharks sollen das verhindern und Teil eines Gegengewichts zur maritimen Aufrüstung Chinas darstellen. Australien will in den kommenden Jahren seine komplette Marine modernisieren. Dazu gehören etwa auch getarnte Stealth-U-Boote aus den USA sowie elf Fregatten der Mogami-Klasse, die bis 2030 in Japan gebaut werden sollen.
(olb)