WWW-Erfinder fordert zum Abbau von Hindernissen fĂĽr ein semantisches Web auf

Tim Berners-Lee fordert von den am Web Beteiligten Kooperation und die Entwicklung übergreifender Standards, damit unterschiedliche Anwendungen ineinandergreifen können.

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Der Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee hat in einer Keynote zu einer Konferenz des Magazins Technology Review in Cambridge seine Vorstellungen von einem semantischen Web erläutert. Dabei hat er die Beteiligten zu einer umfassenden Zusammenarbeit aufgerufen, um das Web noch nützlicher zu machen. Standards seien die Basis für eine sich entwickelnde Technologie, sagte er vor 500 Zuhörern. Die Hindernisse, die sich einer Weiterentwicklung des Web auftun, seien ebenso sozialer wie technologischer Natur, sagte Berners-Lee weiter. Unternehmen sollten Barrieren vermeiden oder abbauen helfen, indem sie auf Lizenzgebühren verzichten.

Berners-Lee hatte im Jahre 1998 das Semantic Web vorgeschlagen. Dort sollen die bereits im Web enthaltenen Informationen mit Hilfe von Metainformationen verknüpft und geordnet werden. Das bestehende Web soll aber nicht ersetzt, sondern lediglich um eine Semantikschicht erweitert werden. Die Extensible Markup Language (XML) soll dabei das Grundgerüst liefern; das Resource Description Framework (RDF) und so genannte Ontologien beschreiben die Regeln, nach denen die eigentlichen Daten miteinander zusammenhängen, sodass das System in der Lage ist, einfache logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Mit anderen Worten: Computer sollen die Bedeutung semantischer Daten erkennen, indem sie über Hyperlinks die Definitionen von Kennwörtern und die zu ihrem Kontext gehörenden logischen Schluss- und Verwendungsregeln nachschlagen.

In seiner Keynote veranschaulichte Berners-Lee einen Teil der Problematik: Ein Web-Nutzer, der beispielsweise auf einen Veranstaltungshinweis für ein Seminar stoße, könne die Information für sich einordnen, während ein Computer dazu nicht in der Lage sei. In seiner Vision vom semantischen Web sollen Informationen so verpackt sein, dass sie automatisch bestimmten Anwendungen wie beispielsweise einem elektronischen Terminkalender zugeordnet werden können. Suchmaschinen sollten nicht nur Informationen auffinden helfen, sondern auch zu weiteren Fundstellen führen. Solcherlei Zusammenspiel unterschiedlicher Anwendungen erfordere Kooperation und Standards dafür, wie Informationen im Internet abgelegt würden, damit diese auf verschiedene Weise verarbeitet werden könnten.

Der Heise Zeitschriften Verlag, der heise online betreibt, ist auch Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe von Technology Review. (anw)