Kein Knick in der Linse mehr

Das Braunschweiger Unternehmen nurizon zeigt auf der photokina das Programm acolens, eine Software zur Erfassung und Korrektur von Objektiv-Abbildungsmängeln.

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Von
  • Carsten Meyer

Bei der Konstruktion von Objektiven wird versucht, Abbildungsmängel wie Distorsionen (Verzeichnungen), Vignettierungen (Lichtabfall zum Bildrand) und Randunschärfen zu minimieren. Je nach Bauart verbleibt jedoch ein Restfehler in der Abbildungsleistung der Objektive bestehen. Diese Fehler treten besonders häufig im Weitwinkel und Superweitwinkel-Bereich auf, finden sich aber auch bei Teleobjektiven. Zoom-Objektive verzeichnen in der Regel immer, da diese Objektive mehrere Brennweiten abdecken und die Konstruktion nur die Optimierung für eine Brennweite zulässt.

Mit dem Macintosh-Programm acolens von der Braunschweiger Firma nurizon (www.nurizon.de) soll es nun möglich sein, diese Abbildungsfehler genau zu erfassen und ein standardisiertes wiederverwendbares Korrekturprofil zu berechnen. Die Software vergleicht ein fotografiertes Testchart mit Referenzwerten und errechnet daraus die entsprechenden Korrekturparameter. Die Korrektur-Profile können dann zur Korrektur von Aufnahmen, welche mit dem entsprechenden Objektiv gemacht wurden, verwendet werden. Die gängigsten Objektive wurden bereits erfasst und in einer Profil-Library abgelegt (mitgeliefert). Neue Profile gibt es im Internet als kostenfreier Download. Der Anwender kann jedoch auch eine Eigenkalibration seines Objektives durchzuführen. Das Testchart kann man auf einem dazu geeigneten Drucker direkt aus der Software ausdrucken.

Anhand der EXIF-Bilddaten kann das Tool automatisch das richtige Korrekturprofil fĂĽr ein Bild anwenden und Verzeichnungen und Vignettierungen herausrechnen. Wenn mehrere Bilder zu bearbeiten sind, steht ein Batchprozess zur VerfĂĽgung. acolens soll nach Angabe des Herstellers zur Zeit das einzige Korrekturtool sein, das von einem Testchart Gebrauch macht. Die Korrektur erfolgt nicht subjektiv, sondern basiert auf den erfassten Fehlern und ist damit stets reproduzierbar. Die Software ist nicht an einzelne Kameras oder Bildformate gebunden. Auch gescanntes analoges Bildmaterial kann, das richtige Profil vorausgesetzt, korrigiert werden. Nebenbei kann das Programm selbst durch Mischlicht verursachte Farbfehler korrigieren. Das MacOS-X-Programm kostet 870 Euro und dĂĽrfte damit der Fotografen-Profiliga vorbehalten sein, obwohl es natĂĽrlich auch Bilder von Consumer-Kompaktkameras korrigiert -- gerade hier sind die Abbildungsfehler ja manchmal dramatisch. (cm)