Analyse: Möglicher Asteroideneinschlag in den Mond ließe sich noch verhindern
Noch ist nicht auszuschließen, dass der Asteroid 2024 YR₄ in sieben Jahren in den Mond einschlägt, mit gefährlichen Folgen. Gegenwehr wäre jetzt noch möglich.
(Bild: buradaki/Shutterstock.com)
Wenn die Menschheit sich entschließen sollte, einen weiterhin nicht ausgeschlossenen Einschlag des Asteroiden 2024 YR4 auf dem Mond verhindern zu wollen, müssten die Vorbereitungen dafür beginnen, bevor wir wissen, ob es überhaupt zu der Kollision kommt. Das ist das Ergebnis einer Analyse eines US-Forschungsteams, das verschiedene vorstellbare Maßnahmen geprüft hat. Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Ablenkung oder gar Zerstörung des Himmelskörpers vor seinem Rendezvous mit Erde und Mond Ende 2032, sondern auch um Sonden, die ihn vorher erforschen könnten. Die Gruppe kommt dabei zu dem Schluss, dass nicht versucht werden sollte, den Asteroiden abzulenken und dass eine Zerstörung zumindest nicht unmöglich wäre.
Zerstörung mit Atombombe nicht unmöglich
Die Forschungsarbeit zu Sonden- und Abwehrmissionen ist vorab abrufbar, wurde aber bisher nicht unabhängig überprüft. Herausgefunden hat das Team unter anderem, dass es nicht lohnenswert ist, eine Ablenkung des Asteroiden vor seinem möglichen Einschlag auf dem Mond zu versuchen. Dabei würde etwa das Risiko bestehen, dass die Gefahr für die Erde infolge solch eines Manövers wieder steigt. Für zumindest realisierbar halten die Forscher und Forscherinnen dagegen eine Mission, die die rechtzeitige Zerstörung des Himmelskörpers zum Ziel hat, beispielsweise mit einem – noch nie getesteten – atomaren Sprengsatz. Die müsste aber lange vor dem Eintreffen des Asteroiden gestartet werden, Vorbereitungen müssten also rasch beginnen, trotz der großen Unsicherheiten.
Die Überlegungen begründet das Team mit der Gefahr, die auch ein Einschlag des Asteroiden in den Mond für die Erde und die nahe Erdumlaufbahn bedeuten würde. Schon vor Monaten hatten andere Forscher ermittelt, dass solch eine Kollision bei uns für beeindruckende Meteoritenschauer sorgen würde. Damals hieß es, dass durch solch einen Einschlag etwa 100.000 Tonnen an Mondmaterial ins All geschleudert würden, wovon 10 Prozent innerhalb von Tagen die Erde erreichen würden. Das könnte für Raumstationen, Raumschiffe und Satelliten eine immense Gefahr bedeuten, weshalb man über Abwehrmaßnahmen nachdenken sollte, so das Team um Brent Barbee vom Goddard Space Flight Center der NASA jetzt in der neuen Studie.
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2024 YR4 hat Anfang des Jahres wochenlang für Aufsehen gesorgt, nachdem der erdnahe Asteroid am 27. Dezember kurz nach seinem jüngsten Rendezvous mit der Erde entdeckt wurde. Folgebeobachtungen haben dann zuerst ergeben, dass ein Einschlag des Asteroiden auf der Erde im Jahr 2032 nicht ausgeschlossen werden konnte. Mehrere Wochen stand der Asteroid an der Spitze der Listen von ESA und NASA mit den gefährlichsten Himmelskörpern. Ende Februar wurde dann ermittelt, dass der Erde keine Gefahr droht. Aktuell steht die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf dem Mond weiter bei 4 Prozent, weitere Beobachtungen sind erst 2026 möglich. Abschließende Gewissheit wird es wohl erst 2028 geben, viel zu spät für die langen Vorbereitungen einer Mission.
Sonden könnten Asteroiden besuchen
Geprüft hat das Forschungsteam jetzt auch noch, ob bereits fertige oder gar im All befindliche Sonden für die Erforschung von 2024 YR4 umfunktioniert werden können. Hier kommt vor allem die Asteroidensonde Janus infrage, die nicht gestartet werden konnte. Die könnte demnach schon 2028 zu 2024 YR4 geschickt werden. Umgeleitet werden könnten demnach sowohl Osiris-Apex also auch Psyche, beide müssten dafür aber ihre aktuellen Missionen aufgeben. Gleichzeitig sind sie nicht für den dann nur möglichen schnellen Vorbeiflug ausgelegt, wie viel sie dabei überhaupt herausfinden könnten, müsste also noch ermittelt werden. Ob die Arbeit konkrete Planungen und Vorbereitungen zur Folge hat, ist gegenwärtig noch nicht klar.
(mho)