Speicher-Branche sitzt auf vollen Lagern

DDR3-Speicher ist zunehmend stärker gefragt, noch ist jedoch DDR2 Mainstream. Bis Jahresende soll der Wechsel vollzogen sein. Sowohl die Hersteller als auch die Zwischenhändler von Speicher-Chips sitzen momentan auf vollen Lagern – eine Allokation ist dennoch nicht ausgeschlossen.

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Von
  • Karl Fröhlich

Derzeit kennt der Speicherpreis keine Grenze nach unten. Die Distribution rechnet zunächst mit einem anhaltenden Abwärtstrend der HEKs.

Bei DDR1-Speicher ist die Handelswelt in Ordnung – respektive wieder in Ordnung. Denn das Projektgeschäft sorgt für eine anhaltend stabile Nachfrage. Die Verfügbarkeit lässt sich als mangelhaft bezeichnen, die Preise bleiben dadurch jedoch stabil. Ein DDR400-Modul mit einem GByte kostet im HEK etwas über 38 Euro. Zum Jahreswechsel lag der Preis noch bei zirka 21 Euro. Zum Vergleich: Ein DDR2-800-Modul ist aktuell schon ab knapp 32 Euro erhältlich. "Momentan sind die DDR1-Preise stabil, allerdings ist mit einer allokationsbedingten Erhöhungen durchaus zu rechnen", meint George Linardatos, General Manager bei Transcend. "Für spekulative Einkäufer mit einer guten Ausdauer könnte es sich lohnen, DDR1-Module zu horten."

Anders sieht es dagegen bei den Nachfolgetechnologien DDR2 und DDR3 aus. Die Distribution bezeichnet die Nachfrage derzeit als verhalten. Daher tendieren die HEKs zum Teil deutlich nach unten. Während Markenmodule (DDR2-800) gegenüber der KW 30 um zirka fünf Prozent günstiger wurden, verloren OEM-Bausteine bis zu zwölf Prozent an Wert. Noch ist DDR2 der aktuelle Mainstream-Speicher. "Wir erwarten im Verlaufe des vierten Quartals eine verstärkte Verschiebung der Anteile zugunsten von DDR3", sagt Linardatos. "Als Renner zeichnet sich bis zum Jahresende DDR3-1333-Speicher mit zwei GByte ab", ergänzt Reinhard Daners, Team Manager Business Unit Storage und Components bei Actebis Peacock. "Insgesamt erwarten wir ab dem beginnenden vierten Quartal bis zum Jahresende steigende Preise."

Das Wachstum soll sich im DRAM-Markt auf das zweite Halbjahr konzentrieren. Laut iSuppli kann der Bedarf mit den vorhandenen Produktionskapazitäten nicht gedeckt werden.

(Bild: iSuppli)

"Der Trend geht langsam aber stetig in Richtung 4-GByte-Module und damit zu generell mehr Arbeitsspeicher im jeweiligen Rechner-System", erklärt Marina Schätzle, Marketing Assistant DACH & SE bei OCZ Technology. "Künftig wird sich Windows mit 64-Bit-Technologie verstärkt durchsetzen. Dies sowie neue Applikationen und Programme beanspruchen mehr Speicherkapazität für ein schnelleres und effizienteres Arbeiten." Bei OCZ gehört das DDR3-1333 4-GByte-Dual-Channel-Kit zu den Mainstream-Produkten.

Auch die Entwicklung im heise resale Preisradar deutet auf einen Verfall des durchschnittlichen Verkaufspreises. GegenĂĽber der Vorwoche ist der mittlere Angebotspreis im Onlinehandel um 3,8 Prozent auf 78,71 Euro gefallen. Im 4-WochenrĂĽckblick liegt der Wertverlust bei zehn Prozent (86,72 Euro) und gegenĂĽber der KW 26 Ende Juni sogar bei knapp 18 Prozent (96,07 Euro). Der Dollarkurs steigt im gleichen Zeitraum gegenĂĽber dem Euro um rund sechs Prozent. Der meistgesuchte Arbeitsspeicher ist nun das DDR3-1066 Platinum-Low-Voltage-Kit mit vier GByte von OCZ.

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

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Da Chip-Hersteller wie auch Zwischenhändler auf vollen Lagern sitzen, ist eine Trendwende in den kommenden ein bis zwei Wochen nicht wahrscheinlich. "Kurzfristig werden die Preise voraussichtlich eher sinken als steigen", sagt Actebis-Peacock-Manager Daners. "Tendenziell erwarten wir nach der Urlaubszeit eine deutliche Steigerung der Nachfrage." Die Marktforscher von iSuppli halten eine Allokation in den kommenden Monaten für möglich. Ein Großteil des prognostizierten Wachstums soll im zweiten Halbjahr realisiert werden. Für das Q3 und Q4 erwarten die Analysten ein Wachstum von elf Prozent. Die Konzentration auf diese sechsmonatige Periode soll die Fertigungskapazitäten der DRAM-Hersteller belasten, so dass Engpässe nicht auszuschließen sind. Bei DDR1 hingegen wird sich die Lage auf jeden Fall "verbessern". Das Angebot geht in diesem DRAM-Segment mittel- und langfristig zurück. Eine knappheitsbedingte Preiserhöhung ist die unweigerliche Folge. (map)