Electronic Arts vor Buyout: Sind die goldenen EA-Jahre jetzt plötzlich vorbei?
EA wird von Private Equity gekauft. Schlimm! Fans der liebenswürdigen US-Spieleschmiede müssen sich auf so einige Veränderungen gefasst machen. Eine Glosse.
(Bild: EA)
Electronic Arts – ein Name, der für Leidenschaft, Erfindergeist und Fairness gegenüber der eigenen Spielerschaft steht. Doch die Zeit des freigeistigen US-Publishers könnte bald der Vergangenheit angehören. Sollte der am Montag angekündigte 55-Milliarden-Deal durchgehen, stünde EA plötzlich unter der Fuchtel der Private Equity. Dann würde ein anderer Wind wehen! An die Stelle von Idealismus könnten plötzlich Kalkulation und Kommerz treten. Die Pixel-Poeten aus Redwood wären im schlimmsten Fall gar nicht wiederzuerkennen. Ein paar konkrete Befürchtungen, wie die Zukunft von EA in diesem Fall aussehen könnte:
- Kündigungen und Studioschließungen: Im Rahmen der Übernahme wird EA mit einem Schuldenberg von 20 Milliarden US-Dollar belastet. Um ihn abzubezahlen, muss knallhart gespart werden. Das heißt: EA muss wohl Stellen streichen. Das könnte sogar Studios treffen, die gerade erst gekauft wurden. Interessante Projekte, die nicht ausreichend schnell vom Fleck kommen, könnten im schlimmsten Fall gnadenlos eingestampft, ganze Studios dichtgemacht werden – möglicherweise sogar, bevor sie überhaupt ihr erstes Spiel auf den Markt bringen.
- Fokus aufs Kerngeschäft: Die Investment-Firmen dürften es vor allem auf die Cashcows "EA FC", "Madden" und "Die Sims" abgesehen haben. Studios, die an anderen Spielen arbeiten, haben voraussichtlich einen schweren Stand. Im Worst Case ist denkbar, dass selbst renommierte Studios wie Bioware vor die Wand gefahren und geplündert werden. Ein von Private Equity geführtes EA könnte dann sogar Rollenspiel-Entwickler von Bioware zwangsabziehen, um sie etwa an virtuellen Fußballschuhen für "EA FC" werkeln zu lassen.
- Lootboxen in "EA FC": EAs Fußballspielreihe läuft auch nach der Namensänderung super, gerade online spielen viele junge Spieler. Um mehr Geldkapital aus diesem Humankapital zu schlagen, könnte EA Lootboxen in den Online-Modus einführen. Die Beutekisten haben in Handyspielen gezeigt, dass sie riesige Umsätze erzielen können. Das könnte bei "EA FC" auch auf PC und Konsole funktionieren, zumal die Hauptzielgruppe des Sportspiels jung und naiv ist. Umso besser, wenn die Lootboxen mit einem Pay2Win-Element aufgewertet werden: EA könnte in die Lootboxen zum Beispiel virtuelle Kicker für den Online-Modus packen – wer mehr davon kauft, hätte dann talentiertere Spieler auf dem Platz und eine entsprechend höhere Chance, zu gewinnen. Baute man darum herum noch eine Marketing-Maschine mit Fußballstars und YouTubern, die ihren jungen Zuschauern stolz ihren Lootbox-Lohn präsentieren, könnte sich das zu einem Milliardengeschäft entwickeln. Vor deutschen Regulatoren müsste man sich dabei übrigens nicht fürchten: Lootboxen zählen nur als simuliertes, nicht als echtes Glücksspiel.
- "Sims 4" wird gemolken: Ein weiterer Dauerbrenner von EA ist die Spielereihe "Die Sims". Weil "Die Sims 4" keinen Mehrspieler-Modus hat und auch gar nicht "gewonnen" werden kann, würde man hier mit dem Verkauf von Pay2Win-Lootboxen nicht groß vorankommen. Die Private-Equity-Overlords von EA könnten stattdessen auf ein DLC-Modell setzen, in Rahmen dessen regelmäßig kleine Zusatzitems für einen Haufen Geld angeboten werden. Ein paar Ikea-Möbel für den Eingangsbereich oder ein bisschen Schminke für 5 Euro, ein Jahreszeiten-Paket für 40 Euro – der Fantasie wären kaum Grenzen gesetzt. Verkauft man genug von solchen Mini-Paketen, könnten die Gesamtkosten für alle "Sims 4"-DLCs sogar in den vierstelligen Bereich steigen.
Eine solche Kehrtwende mögen sich Fans von EA natürlich gar nicht erst ausmalen. Aber es ist wichtig, sich frühzeitig auch mit solchen Schreckensszenarien auseinanderzusetzen. Dennoch: Es handelt sich nur um Gedankenspiele. Unter Umständen wird es ja nicht ganz so schlimm. Dass EA-CEO Andrew Wilson im Amt bleibt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Investoren-Konsortium vielleicht gar nicht allzu viel ändern möchte.
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Überhaupt können EA-Freunde noch hoffen, dass der vorgeschlagene Deal gar nicht erst über die Bühne geht und die sympathische Spielewerkstatt letztlich doch unabhängig bleibt: Dass der trumpsche Behördenapparat die Übernahme, an der die Firma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner maßgeblich beteiligt ist, noch blockiert, ist freilich gut möglich.
(dahe)