SIMP-0136: Forscher finden Polarlichter auf kosmischem Einzelgänger

Ein internationales Astronomen-Team hat auf dem kosmischen Einzelgänger SIMP-0136 Polarlichter entdeckt. Zudem fand es ungewöhnliche Wolken in der Atmosphäre.

vorlesen Druckansicht 7 Kommentare lesen
KĂĽnstlerische Darstellung von SIMP-0136

KĂĽnstlerische Darstellung von SIMP-0136

(Bild: Evert Nasedkin)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Geladene Teilchen aus dem Weltall erzeugen in hohen Breiten schöne Lichtspiele am Himmel. Solche Polarlichter gibt es aber nicht nur auf der Erde. Ein Team von Astronomen hat sie auf einem außergewöhnlichen Himmelskörper entdeckt.

Das Team um Evert Nasedkin vom Trinity College Dublin in Irland hat SIMP-0136 mit dem James Webb Space Telescope (JWST) untersucht und dabei eine starke Aurora-Aktivität erfasst, die die obere Atmosphäre um 250 Grad Celsius aufheizt. Das Team beschreibt die Entdeckung in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics.

SIMP-0136, eigentlich SIMP J013656.5+093347, ist ein ungebundenes Objekt mit planetarer Masse. Das bedeutet, es kreist um keinen Stern. Es befindet sich im Sternbild Fische und ist etwa 20 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Der Himmelskörper hat etwa den 1,2-fachen Radius des Jupiter und etwa die 13-fache seiner Masse. Damit ist er an der Grenze zwischen einem Planeten und einem Braunen Zwerg. Er rotiert in etwa 2,4 Stunden um die eigene Achse, wobei sich die Helligkeit und die Temperatur ändern.

Braune Zwerge sind keine Sterne, da in ihrem Inneren keine normale Wasserstofffusion stattfindet. Druck und Temperatur reichen aber aus für eine Deuteriumfusion. Diese erzeugt auch Wärme – auf der Oberfläche von SIMP-0136 herrschen immerhin rund 1.500 Grad Celsius.

In der Atmosphäre des Himmelskörpers stellten die Forscher aber deutlich höhere Temperaturen fest. Diese seien mutmaßlich "auf einen Energieeintrag in die obere Atmosphäre durch eine Aurora zurückzuführen", heißt es in dem Aufsatz.

Möglich wurde die Entdeckung durch die hohe Empfindlichkeit des Weltraumteleskops. Damit hätten sie Temperaturänderungen von weniger als 5 Grad Celsius erfassen können. "Das sind die präzisesten Messungen der Atmosphäre eines extrasolaren Objekts, die bisher durchgeführt wurden", sagte Nasedkin. "Es ist das erste Mal, dass Veränderungen der atmosphärischen Eigenschaften direkt gemessen wurden."

Daneben fanden die Forscher Wolken in der Atmosphäre des Himmelskörpers. Diese bestehen jedoch nicht aus Wasserdampf wie auf der Erde, sondern aus Silikatkörnern – "ähnlich wie Sand am Strand".

Videos by heise

Polarlichter in unserem Sonnensystem entstehen, wenn von der Sonne ausgestoßene, geladene Teilchen auf das Magnetfeld eines Planeten treffen. Sie treten nicht nur auf der Erde auf, sondern auch auf anderen Planeten, etwa auf dem Mars, dem Jupiter, dem Saturn oder dem Neptun. Da SIMP-0136 um keinen Stern kreist, werden die Auroren in seiner Atmosphäre durch geladene Teilchen aus dem interstellaren Raum ausgelöst.

(wpl)