Videoweb will mit hybriden HDTV-Receivern den Markt aufrollen

Letztes Jahr zur IFA war der Vertriebsstart geplant, doch erst vor wenigen Wochen brachte der Neuling Videoweb seinen Hybrid-Satelliten-Receiver endlich auf den Markt. Auf der diesjährigen IFA will man nun richtig durchstarten. Der Fachhandel darf auf interessante Umsatzchancen hoffen.

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Von
  • Engelbert Hörmannsdorfer
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Matthias Greve, CEO, Videoweb

(Bild: VideoWeb)

Noch ist das Karlsruher Unternehmen Videoweb hierzulande ziemlich unbekannt. Aber mit ihrem neu entwickelten hybriden HDTV-Satelliten-Internet-Receiver "Videoweb 600S" und dem dazugehörigen Videoweb-TV-Portal sieht sich der Hersteller gut gerüstet, den Settop-Boxen-Markt in Deutschland aufzurollen. Die Chancen stehen gut. In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge 22 Millionen Haushalte mit einem schnellen DSL-Anschluss. Und erst diese Woche recherchierte der IT-Branchenverband Bitkom, dass hierzulande Flachbildfernseher weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Im Sommer letzten Jahres verpatzte Videoweb seinen Vertriebsstart: Nach einem ersten öffentlichen Betatest – übrigens bisher einmalig in der Settop-Boxen-Welt – gab es so viel Feedback, dass das Grunddesign noch mal neu aufgesetzt wurde. Dafür sind die Geräte jetzt mit mehr als genügend Prozessor-Power gerüstet. "Wir haben dreimal so viel PS eingebaut, wie wir eigentlich derzeit bräuchten", betont Videoweb-CEO Matthias Greve im Gespräch mit heise resale. Die neuen Produkte haben mit 1.100 DMIPS im Vergleich zum Vorgängermodell "Videoweb S500", das es allerdings gar nicht auf den Markt geschafft hatte, rund 600 DMIPS mehr Leistung an Bord.

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(Bild: VideoWeb)

Dafür geht der ehemalige Web.de-Chef Greve davon aus, dass das jetzige Gerät gut ist für eine Laufzeit von zwei bis drei Jahren, bevor ein Nachfolgemodell gestartet werden müsse. Greve verfolgt eine Ein-Marken-Strategie ähnlich wie es Apple mit dem iPhone macht: Von dem Receiver gibt es nur ein einziges Modell, der Kunde kann es mit Software wunschgemäß konfigurieren und aufrüsten. Beim Erststart ist – wie beim iPhone – eine Registrierung obligatorisch.

Aus diesem Grund setzt Greve auch nicht auf E-Tailer, sondern auf ausgewählte Fach- und Vertragshändler. Reseller dürfen so auf interessante Zusatzumsätze hoffen, denn sie können neben dem eigentlichen Produktverkauf auch Software- und Service-Leistungen mitverkaufen – oder Zusatzprodukte wie beispielsweise externe Festplatten. Auch auf einen eigenen Online-Shop verzichtet Greve. Allerdings gibt es zwei kleine Online-Ausnahmen: Einmal im Shop des Satelliten-Senders Anixe, und natürlich bei Amazon.de. Aber die halten sich Greve zufolge penibel an den Listenpreis von 299 Euro.

Zum Vertriebsstart im Juli ging Greve eine Vertriebskooperation mit der Verbundgruppe Euronics ein. 100 Händler will er damit bis zum Herbst erreichen. Der Zuspruch ist beachtlich: Bereits jetzt listet die entsprechende Support-Website von Videoweb rund 70 Händler auf. Bis Mitte September – nach der IFA 2010 – dürfte Greve sein Vertriebsziel wohl erreicht haben.

Vorder- und RĂĽckansicht des hybriden HDTV-Satelliten-Internet-Receiver "Videoweb 600S"

(Bild: VideoWeb)

Für den Einsatz des Gerätes selbst benötigt ein Kunde einen Satelliten- sowie einen Internet-Anschluss. Denn die Settop-Box kommuniziert intensiv mit dem dazugehörigen Videoweb-Portal. "Wir stellen hier ein ständig erweitertes Inhalte-Spektrum zur Verfügung", verspricht Greve. "Der Leistungsumfang des Receivers wächst also ständig weiter – auch nach dem Kauf." Grundgedanke des Unternehmenslenkers ist es nämlich, dass sich die HDTV-Welt – ähnlich wie die Smartphone-Welt des iPhone – so rasant entwickelt, dass es einer vollkommen neuen Plattform-Strategie bedurfte.

Bei dem Videoweb-Gerät wird das Internet nur als Transportmedium für Zusatzinhalte bzw. Video-on-Demand (VoD) genutzt. So gibt es bereits eine Kooperation mit dem Video-on-Demand-Service "HD Kino". Hier kann man Kinofilme ab dem Zeitpunkt anschauen, an dem sie auch auf Blu-ray veröffentlicht wurden. Kino-Blockbuster wie "Avatar – Aufbruch nach Pandora" oder "Männerherzen" sind also bereits verfügbar. Dass die Settop-Box dabei so universell auftreten kann, liegt an den im Juni in Europa verabschiedeten Normen für HbbTV. Der lässt sich als gemeinsamer Standard nutzen, um vielfältige, modernen TV-Bildschirmen angepasste Info- und Spaß-Services via Internet-Anschluss anzubieten.

Mit den Internet-TV-Konzepten von Fernsehherstellern wie Samsung ("Internet@TV"), Sony ("InternetTV") oder Philips ("NetTV") hat die Neuentwicklung nichts gemein. Diese Konzepte haben sich auch bisher nicht nennenswert auf dem Markt durchgesetzt, auch wenn es diverse Neuanläufe auf der IFA in Berlin gibt. "Content-Anbieter mussten für jede Plattform eine neue und teure Anwendungsentwicklung aufsetzen", erklärt Greve. Der Videoweb-Receiver sei dagegen eine offene Plattform, die – so hofft der Unternehmensgründer – viele Content-Anbieter anzieht, und eine Art Standard schafft, wie eben Apple mit den Apps für das iPhone. (map)