Agile 2010 - von der Flut vertrieben
Vor zwei Wochen kam ich von der Agile 2010 zurück, der weltweit größten Konferenz zum Thema Agilität.
- Jutta Eckstein
Die Agile 2010 fand dieses Jahr (gezwungenermaßen) in Orlando statt. – Gezwungenermaßen deshalb, weil sie eigentlich in Nashville, Tennessee, geplant war, dort aber (wie auch in anderen Teilen der Welt) im Frühjahr eine Flutkatastrophe eintraf, sodass man kurzerhand für die Konferenz ein neues "Zuhause" finden musste. Da es sich hierbei um die weltweit größte Konferenz auf dem Gebiet handelt, war der spontane Umzug mit Sicherheit nicht einfach. Aber wie heißt es so schön, "passe deinen Plan der Realität an (und nicht umgekehrt)".
An der Konferenz nahmen 1400 Teilnehmer aus 38 Ländern teil, und mit 227 Sessions gehalten von 180 Sprechern wurden die Teilnehmer auch ganz schön gefordert. Alle Sessions stellten die Interaktion sowohl mit als auch unter den Teilnehmner in den Vordergrund. Aber auch weitere Aktivitäten wie unter anderem 'Dinner with a Stranger' sorgten dafür, dass alle Teilnehmer neue Netzwerke knüpfen und alte pflegen konnten.
Dave Thomas von Bedarra machte den Auftakt zur Konferenz mit seiner Keynote – einer persönlichen Retrospektive über den Stand und die Entwicklung der Agilität. Dave brachte einiges auf den Punkt, zum Beispiel verdeutlichte er, dass man sich mit dem Begriff der nichtfunktionalen Anforderungen etwas vormachen würde, da diese auch nicht anders zu behandeln seien als funktionale Anforderungen. Man sollte deshalb am besten generell alles als Anforderungen (oder besser Stories) betrachten, die dann mit Akzeptanzkriterien versehen messbar und testbar sind. Weiterhin betonte er, dass eine Zertifizierung, die weder auf Erfahrung noch auf Fähigkeiten, sondern nur auf die Teilnahme bei einer Schulung basieren würde, keine Aussage über das Können der zertifizierten Person machen würde. Zum Schluss seines Vortrags erklärte er die Wasserfall-Vorgehensweise offiziell für tot.
Höchst interessant war auch eine Diskussionrunde besetzt mit hochkarätigen Analysten aus der Industrie: Dave West (Forrester Research), David Norton (Gartner), Melinda Ballou (IDC) und Michael Azoff (Ovum). Sie waren sich einig, dass CMMI zwar nicht sofort verschwinden, jedoch sich signifikant ändern würde. Erstaunlicherweise waren sie auch darüber d'accord, dass die Welt – wenn es denn soweit ist – CMMI nicht vermissen wird.
Auch dieses Jahr wurde die Tradition fortgesetzt, während der Konferenz ein 'Live-Aid Labor' stattfinden zu lassen: Ein Projekt zur Verbesserung der Gesundheit in Bolivien. Die Konferenzteilnehmer konnten sich programmiertechnisch mit Ruby on Rails und unter Verwendung agiler Methoden einbringen.
Nächstes Jahr findet die Konferenz vom 7. bis 13. August in Salt Lake City, Utah, statt. Dort wird das zehnjährige Jubiläum des Agilen Manifests gefeiert wird. ()