"KI-generierte Schauspielerin": Hollywood-Gewerkschaft gegen "Tilly Norwood"
Eine KI-generierte Figur steht angeblich kurz davor, als Schauspielerin von einer Künstleragentur vertreten zu werden. Die Kritik aus der Branche ist scharf.
"Tilly Norwood" in unterschiedlichen Szenen
(Bild: tillynorwood.com)
Die mächtige Hollywood-Gewerkschaft SAG-AFTRA hat mit scharfen Worten eine KI-generierte Figur kritisiert, die als Schauspielerin angeblich kurz davor steht, von einer Künstleragentur unter Vertrag genommen zu werden. Die KI-Figur trägt den Namen "Tilly Norwood" und wurde von der Produktionsfirma Particle6 der niederländischen Schauspielerin Eline Van der Velden entwickelt. Diese hat die Kreation vor wenigen Tagen auf dem Zurich Film Festival und vorher in einem "100% KI-generierten" YouTube-Video vorgestellt. In Zürich hat sie laut Deadline behauptet, dass mehrere Künstleragenturen miteinander konkurrieren würden, um "Tilly Norwood" unter Vertrag zu nehmen. Daraufhin gab es jede Menge Kritik von Schauspielern und Schauspielerinnen sowie jetzt deren Gewerkschaft SAG-AFTRA.
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"Um es klar zu sagen, 'Tilly Norwood' ist keine Schauspielerin", heißt es in der Stellungnahme der Gewerkschaft. Es handle sich um einen Charakter, der von einem Computerprogramm erstellt wurde, das auf Basis der Arbeit von zahllosen professionellen Schauspielern und Schauspielerinnen trainiert worden sei – ohne dass diese das erlaubt oder dafür Geld bekommen hätten. Die Figur löse kein Problem, meint die Gewerkschaft. Stattdessen schaffe sie neue, indem sie auf Basis "gestohlener" Inhalte Menschen die Arbeit wegnehme. Man sei der festen Überzeugung, dass Kreativität etwas Menschliches sei und das auch bleiben solle: "Die Gewerkschaft ist dagegen, menschliche Darsteller durch Synthetik zu ersetzen."
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Parallel zur SAG-AFTRA haben sich auch zahlreiche Schauspieler und Schauspielerinnen zu Wort gemeldet und teils harsche Kritik geäußert. Der britische Schauspieler Ralph Ineson ("Fantastic Four") schrieb über einen Bericht zu 'Tilly Norwood' nur "Fuck off", seine Kollegin Natasha Lyonne ("Orange is the new black") hat laut BBC gefordert, jede Künstleragentur zu boykottieren, die die KI-Figur unter Vertrag nimmt. Van der Velden hat derweil die Arbeit verteidigt und versichert, dass "Tilly Norwood" kein Ersatz für Menschen sei. Es handle sich um ein Kunstwerk, die Debatte über sie unterstreiche nur die Macht der Kreativität. Sie glaube zudem, dass KI-Figuren nur miteinander, nicht mit Menschen verglichen werden sollten.
(mho)