Zeitungen in einer "allgegenwärtig vernetzten Gesellschaft"

Ohne die Bereitschaft zu Erneuerungen und Experimenten bei der Gestaltung des eigenen Produkts und dem Einsatz neuer Medien sieht die Zukunft der gedruckten Zeitung dĂĽster aus, lautete ein Fazit beim Weltkongress der Zeitungen.

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Von
  • Dirk Godder
  • dpa

In einem waren sich die meisten Teilnehmer des 58. Weltkongresses der Zeitungen und des 12. Weltforums der Chefredakteure in dieser Woche in Seoul einig: Ohne die Bereitschaft zu Erneuerungen und Experimenten bei der Gestaltung des eigenen Produkts und dem Einsatz neuer Medien sieht die Zukunft der gedruckten Zeitung düster aus. Die Zeitungen müssen sich nach Ansicht von Experten der IT- und Medienbranche gegen die "allgegenwärtig vernetzte Gesellschaft" neu positionieren.

Aufbauende Worte kamen direkt zu Beginn vom Veranstalter, dem im Paris ansässigen Weltverband der Zeitungen (WAN), selbst. 400 Jahre nach Erscheinen der ersten gedruckten Zeitung befinde sich die Zeitungsbranche im Prozess einer "Wiedergeburt". Diese Entwicklung sei insbesondere neuen Formaten, Titeln und redaktionellen Konzepten zu verdanken.

Dem Vormarsch des Internet hielten Vertreter führender Tageszeitungen zudem vermeintliche Stärken entgegen. "Das wichtigste Gut der Zeitungen ist ihre Glaubwürdigkeit," sagte der Vorsitzende der New York Times Company, Arthur Sulzberger. Durch dieses Merkmal unterscheide sich die Zeitung von anderen Medien. In Afrika etwa seien Zeitungen ein "unverzichtbarer Faktor für die Demokratie", betonte Trevor Ncube, Vorstandsvorsitzender des Mail&Guardian aus Südafrika.

Während des dreitägigen Kongresses wurden unter den mehr als 1000 Teilnehmern außer neuen Strategien und Trends in der Weltpresse auch neue Entwicklungen aus dem Multimediabereich besprochen. Aus den einzelnen Präsentationen über technische Erneuerungen etwa festigte sich die Einsicht, dass die Zeitungen künftig in mehrfacher Ausprägung zur Verfügung stehen wird als es bisher der Fall ist.

Außer der physischen Zeitung, die der Leser am Kiosk kaufen kann und der Onlineausgabe auf dem PC wird es etwa nach Meinung von Experten schon in absehbarer Zukunft auch flexible, folienartige Bildschirme geben, auf denen sich die abgebildetet Seite mit Nachrichten und Informationen ständig aktualisiert. Die Vermarktung flexibler Bildschirme werde bereits 2010 beginnen können, kündigte der Präsident und CEO des führenden südkoreanischen Elektrokonzerns Samsung Electronics, Park Chang Hee, an. "Die Position der Zeitung bleibt jedoch trotz neuer Übertragungs-Technologien bestehen", betonte er.

Der Präsident der japanischen Zeitung Asahi Shimbun, Shinichi Hakoshima, berichtete beispielsweise über die Zusammenführung von Internet und der Mobilfunktechnologie. Asahi hat eine Million zahlender Abonnenten für die mobilen Telefondienste durch die Einrichtung von "Mitgliederklubs" gewinnen können. Nachrichten und Informationen, die angeboten werden, stammen vor allem von der Hauptinternetseite der Zeitung. "Unsere Zukunft hängt von unserer Fähigkeit ab, das Internet zu nutzen," sagte Hakoshima.

Doch wurde während des Kongresses auch deutlich, dass es eine Zauberformel für den Erfolg beim Online-Auftritt einer Zeitung oder für das richtige Zeitungsformat, wie beispielsweise die Umstellung vom herkömmlichen Großformat auf eine kleinere "Kompaktzeitung" nicht gibt. Ein Problem sehen die Zeitungen weiterhin darin, dass unter den Internetnutzern noch eine Gratismentalität herrscht.

"Seit wir wissen, dass unsere Kunden eine unglaubliche Zahl an Medienoptionen haben, mĂĽssen dafĂĽr sorgen, dass ihre Tageszeitung eine unverzichtbare Wahl ist." Wie das zu bewerkstelligen ist, sei die eigentliche Frage in allen Sitzungen des Kongresses gewesen, sagte Sulzberger. (Dirk Godder, dpa) / (anw)