Studie: Das Internet als Wachstumsmotor der Medienbranche

PricewaterhouseCoopers sagt der Unterhaltungs- und Medienindustrie ein besonders hohes Wachstum bei Internet-Geschäften voraus; Deutschland haben die Martkforscher als "Zentrale der Internet-Piraterie in Westeuropa" ausgemacht.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

PricewaterhouseCoopers (PwC) sagt der deutschen Unterhaltungs- und Medienindustrie ein Wachstum von durchschnittlich 4,7 Prozent pro Jahr voraus. Es werde damit doppelt so hoch ausfallen wie das der übrigen Wirtschaft. Dabei liege das Internet mit 15,7 Prozent jährlichem Wachstum an der Spitze. Dies sind Kernaussagen der PwC-Studie "German Entertainment and Media Outlook 2004-2008", die das Prüfungs- und Beratungsunternehmen auf den Münchner Medientagen am 20. Oktober vorstellen will.

Indes wird der optimistische Ausblick für die Medienindustrie getrübt, Deutschland gerät gegenüber seinen Nachbarn ins Hintertreffen: Zwar wachse dieser Sektor stärker als die übrige deutsche Wirtschaft, doch werde die Wachstumsrate für den westeuropäischen Mediensektor mit 5,7 Prozent jährlich einen Prozentpunkt höher liegen als im Inland.

Das Umsatzvolumen des deutschen Unterhaltungs- und Medienmarktes betrug nach PwC-Angaben im vergangenen Jahr 57,1 Milliarden Euro und blieb damit nahezu unverändert gegenüber 2002. Bis 2008 sagt die Studie einen Anstieg auf fast 72 Milliarden Euro voraus. Innerhalb Westeuropas werde die Branche von derzeit 260 auf 343 Milliarden Euro zulegen. Der Anteil des deutschen Marktes am westeuropäischen sei von 24,3 Prozent im Jahr 1999 auf 21,9 Prozent in 2003 gesunken und werde sich nach Einschätzung von PwC bis 2008 weiter auf 20,9 Prozent verringern.

In Deutschland versprächen neben dem Internet (15,7 Prozent jährliches Wachstum) die erwarteten Einkünfte aus Videospielen (14,1 Prozent) und Film (8,4 Prozent, inklusive der Vermarktung durch DVD sowie Video) und Fernsehen (4,9 Prozent) signifikante Zuwächse. Zu den Branchenverlierern zählten voraussichtlich die Musik- und Tonträger (im Schnitt minus 2,4 Prozent pro Jahr bis 2008) sowie klassische Zeitungen und Zeitschriften (minus 0,6 Prozent). Buchverlage könnten mit einem geringen Wachstum von 0,3 Prozent rechnen.

"Die Werbung im Internet wird mit einem durchschnittlichen Wachstum von 18,1 Prozent jährlich das am stärksten wachsende Segment der Branche bis zum Jahr 2008 sein", meint Reinhard Müller von PwC. Düster sind hingegen die Aussichten für klassische Zeitungswerbung: "Die Umsätze aus dem Bereich Zeitungswerbung werden im Jahr 2008 voraussichtlich unter dem Niveau des Jahres 2003 liegen", prognostiziert Müller.

Kehrseite der Digitalisierung der Medienindustrie sei die Möglichkeit zum Download von Inhalten, ohne den Rechteinhaber zu bezahlen. PwC hat Deutschland als "Zentrale der Internet-Piraterie in Westeuropa" ausgemacht -- schuld sei die hohe Versorgungsdichte mit Breitbandanschlüssen (27 Prozent) sowie DVD-Playern. Die -- ebenfalls von PwC -- im August 2004 vorgestellte Studie "A New Era for Content" kommt zu einer optimistischeren Prognose: Dank Digital Rights Management (DRM) könnten die Content-Inhaber ihre Verluste durch Raupkopierer mehr als wettmachen. Die neue Studie "German Entertainment and Media Outlook 2004-2008" kann laut PwC ab dem 20. Oktober 2004 als PDF heruntergeladen werden. (ssu)