Japanisches Start-up will Schmerzen zwischen Menschen übertragbar machen
Ein EEG-System soll individuelles Schmerzempfinden anhand von Gehirnaktivitäten messbar und zwischen Menschen übertragbar machen.
Die Analyse von Gehirnaktivitäten soll Schmerz messbar und teilbar machen.
(Bild: PaMeLa Inc.)
Das japanische Telekommunikationsunternehmen NTT Docomo und das Start-up Pain Measurement Laboratory (kurz "PaMeLa") haben eine Technologie vorgestellt, die es ermöglichen soll, das subjektive Empfinden von Schmerz digital zu messen und an andere weiterzugeben. Docomos sogenannte "Human-augmentation platform" erfasst Gehirnaktivitäten in Reaktion auf Schmerzreize, visualisiert und interpretiert sie und simuliert sie für Empfänger. Laut Firmenangaben handelt es sich um das weltweit erste System, das Schmerzempfinden individuell kalibriert reproduzieren kann – angepasst an die persönliche Empfindlichkeit der Empfängerseite.
Schmerz als Signal
Das System besteht aus drei Komponenten: einem noninvasiven EEG-Sensorgerät zur Erfassung von Hirnströmen, einem Cloud-System zur Analyse und Umrechnung der Daten auf Grundlage individueller Schmerzschwellen sowie einem haptischen Aktuator, der physische Reize auslöst. Ziel sei es, die subjektive Empfindung in eine vergleichbare Form zu bringen – etwa um zu beantworten, wie stark ein bestimmter Schmerzlevel für verschiedene Personen tatsächlich ist.
Die Technologie soll laut Docomo und PaMeLa Anwendung in der medizinischen Diagnostik, in der Rehabilitation, aber auch in XR- und Gaming-Umgebungen finden. Auch der Einsatz im Bereich psychischer Belastungen, etwa zur Darstellung von sozialem Stress oder verbalen Übergriffen, wird als mögliches Szenario genannt.
Technisch ambitioniert, wissenschaftlich unbestätigt
Trotz der medialen Ankündigung bleiben zentrale Fragen offen. Eine verlässliche, objektive Messung von Schmerz ist – anders als etwa Temperatur oder Puls – bislang medizinisch nicht etabliert. Schmerz gilt als subjektiv, situativ und stark von psychologischen Faktoren geprägt. EEG-Signale können zwar Hinweise auf Schmerzverarbeitung im Gehirn liefern, gelten aber nicht als eindeutiger Indikator. Auch ist unklar, wie präzise das System zwischen verschiedenen Schmerzarten – etwa Druck, Hitze oder Kribbeln – unterscheiden kann.
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Docomo und PaMeLa haben bisher keine begutachteten Studien oder öffentlich zugängliche technische Details zu ihrer Entwicklung veröffentlicht. Ob das System tatsächlich wie beschrieben funktioniert, muss also noch wissenschaftlich überprüft werden. Mitte Oktober stellen die beiden Unternehmen ihr Projekt auf der japanischen Technologiemesse CEATEC 2025 in Chiba vor.
(joe)