Bandbreiten-Wettlauf in der Schweiz geht in die nächste Runde
Cablecom stockt die verfügbaren Bandbreiten deutlich auf, ohne die Preise zu erhöhen und unterbietet durchgängig die Preise des Ex-Monopolisten Swisscom.
Im andauernden Wettbewerb um den "digitalen Haushalt" und die höheren Bandbreiten im Schweizer Internet kündigte heute der Schweizer "Quadruple Player" Cablecom einen massiven Bandbreitenausbau an. Vollmundig gar als "Paradigmenwechsel" bezeichnete Rudolf Fischer, Cablecoms Managing Director, seinen nächsten Ausbauschritt. Den wichtigsten Paradigmenwechsel dürfte Cablecom aber wohl schon längst vollzogen haben, seitdem die Tochter der europäischen Kabelnetzgruppe UPC Broadband (welche wiederum zum globalen Medienunternehmen Liberty Global zählt) über die als "Triple Play" bekannte Kombination von Kabel-TV mit Breitband-Internet und Festnetztelefonie hinaus neuerdings zusätzlich Mobiltelefonie anbietet.
Cablecom konzentriere sich jetzt darauf, die im Wandel befindlichen Nutzungsgewohnheiten bedienen zu können. Immer mehr würde sich auch im Privatbereich das so genannte "Concurrent Use" durchsetzen, so Fischer, das heißt, dass Haushalte mit mehreren Internetnutzern nicht nur immer mehr Bandbreite brauchen, sondern diese oft auch noch gleichzeitig. Dadurch entstehenden Engpässen will Cablecom nun mit bis zu fünfmal höheren Bandbreiten ihres Produkts "hispeed Internet" abhelfen. Die Preise bleiben dabei unverändert. So wird beispielsweise das derzeit beliebteste Abonnement "hispeed 600" den bestehenden Kunden automatisch bis spätestens Ende Juni auf das neue "hispeed 3000" angepasst (also von 600 kBit/s im Downstream auf 3000 kBit/s).
Neukunden kommen ab sofort in den Genuss der höheren Geschwindigkeiten. Auch die Upstream-Bandbreiten hat Cablecom nun hinaufgesetzt. Bei "hispeed 3000" stehen ab sofort 300 kBit/s, statt bisher 100 kBit/s, zur Verfügung. Alle Angebote bieten nun ein Upload-Download-Verhältnis von 1 : 10. Bei der Mitbewerberin Swisscom werden Mitte März, wie bereits Mitte Januar angekündigt, ebenfalls die Bandbreiten zum gleichbleibenden Preis erhöht. Die Kunden der Swisscom-Provider-Tochter Bluewin können dann wählen zwischen maximalen Geschwindigkeiten von 2000/100 kBit/s für 32 Euro (Cablecoms hispeed 3000: 29 Euro), 3500/300 für 44 Euro (hispeed 4000: 38 Euro) und 5000/300 kBit/s zum Preis von rund 63 Euro (hispeed 6000: 61 Euro). Ein vergleichbares Produkt zu hispeed 300/100 für rund 19 Euro führt Bluewin nicht im Portfolio.
Man darf gespannt sein auf die nächsten Ausbaustufen. In Wien, so erwähnte Cablecom-Chef Rudolf Fischer auf der heutigen Medienkonferenz, führte UPC-Telekabel (chello) im Februar bereits einen Feldversuch durch, in dem ausgesuchte "friendly customer" Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s ausprobieren konnten, ohne dass dafür aufwendige oder teure Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden mussten. Einzig ein spezieller Prototyp eines Kabelmodems kam dabei zum Einsatz. Um den Inhalt einer kompletten CD-ROM herunterzuladen, braucht es mit dieser Power-Bandbreite gerade einmal noch sechzig Sekunden. (Tom Sperlich) / (ssu)