52 Nominierungen beim Schweizer Big Brother Award

In der Schweiz und in Deutschland werden im Oktober wieder die Preise, "die keiner will", für die schlimmsten Verletzungen der Privatsphäre und Verstöße gegen den Datenschutz vergeben.

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Von
  • Detlef Borchers

Für den am 16. Oktober zu verleihenden Schweizer Big Brother Award für die schlimmsten Verstöße gegen den Datenschutz wurden die Nominierungen veröffentlicht. Insgesamt bewerben sich 52 Kandidaten für die "Preise, die keiner will", wie die Organisatoren formulieren. Das Gros der via Internet nominierten Bewerber ist in der Kategorie "Staat" angetreten. Hier reicht die Spannbreite der Aktivitäten staatlicher Datenschutzbrecher von illegalen Gen-Datensammlungen über den Einsatz einer Aufklärungsdrohne bis hin zu einer täglichen Fotografie von Fahrrädern zur Einhaltung der Berner Velo-Parkierordnung.

In der zweitstärksten Kategorie "Business" sind nicht nur Schweizer Spezialitäten nominiert. So sind die Mobiltelefonbauer Sony Ericsson und Nokia preisverdächtig, weil sie mit sicherheitsanfälligen Bluetooth-Implementationen dem so genannten Bluesnarfing Vorschub leisten.

Im Unterschied zu den auch in anderen Ländern verliehenen Awards vergibt die Schweizer Jury auch einen Positiv-Preis, den Winkelried-Award für Personen, die sich gegen Überwachung und Datenschleudereien stellen. In diesem Jahr sind ein Arzt und ein Rechtsanwalt nominiert. Der Rechtsanwalt Daniele Jenni klagte gegen eine Verhaftung und Einkesselung anlässlich einer Demonstration gegen das World Economic Forum (WEF) und deckte dadurch auf, dass die Daten der "gewalttätigen Extremisten" widerrechtlich anderen Organisationen "zur Analyse" weitergereicht wurden. Der Arzt Beat Schaub wehrte sich gegen eine neue Abrechnungsmethode, bei der Ärzte detaillierte Krankheitsdiagnosen an die Krankenkassen weiterreichen sollen und damit gegen das Arztgeheimnis verstoßen.

Auch in Deutschland werden Oscars für die Datenkraken verliehen. Am 29. Oktober werden die diesjährigen Preisträger wie immer in Bielefeld bekannt gegeben. Im Unterschied zu den Schweizer Gepflogenheiten werden die Nominierungen nicht veröffentlicht, doch soll die Jury über einem "5-bändigen Reader mit den gesammelten Vorschlägen" brüten. (Detlef Borchers) / (jk)