Bewährungsstrafe: Internet-Handel wuchs Jungunternehmer über den Kopf
Der 22-Jährige aus Warstein (Kreis Soest) hatte von den Kunden Vorauskasse für Computerteile und Digitalkameras verlangt, in vielen Fällen aber keine Ware geliefert.
Ein 22-Jähriger Jungunternehmer, der einen schwunghaften Internet-Versandhandel betrieben hat, ist am Donnerstag in Soest wegen gewerbsmäßigen Betruges zu 21 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte von den Kunden Vorauskasse für Computerteile und Digitalkameras verlangt, in vielen Fällen aber keine Ware geliefert. Das Geschäft sei ihm über den Kopf gewachsen und habe zu wenig Verdienst abgeworfen. Deshalb habe er nicht mehr in allen Fällen geliefert, sagte der Angeklagte.
Trotz des Betruges ging der 22-Jährige pleite. Als der Warsteiner Insolvenz anmeldete, ließ er mehr als 1000 Kunden und seine Lieferanten auf Forderungen von rund einer halben Million Euro sitzen. "In meinem Zimmer sah es aus wie in einem Computerlager", erinnerte sich der junge Mann an die ersten Monate. Deshalb habe er sich Geschäftsräume gemietet. Zuerst über das Internet-Auktionshaus eBay, später dann auch über einen eigenen Online-Shop brachte er seine Ware an den Mann.
Bis zu 50 feste Mitarbeiter und Aushilfen habe er beschäftigt, um der Flut von Bestellungen Herr zu werden. 2003 gab er dem Finanzamt einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro an. Allerdings sei seine Gewinnmarge von fünf bis sieben Prozent wohl zu gering kalkuliert gewesen, um Personalkosten, Lager und Buchhaltung zu finanzieren, gab er kleinlaut zu. Außerdem habe der Jungunternehmen "in Saus und Braus gelebt", sagte die Richterin. In den vor Gericht zur Rede stehenden drei Monaten habe sich der 22-Jährige 20.000 Euro für den persönlichen Bedarf gegönnt.
Offenbar war nicht nur die Bestellwut der Schnäppchenjäger an der Krise schuld. Auch wenn nur ein kleiner Teil der Kunden geprellt wurde, hatte es doch zwischen 2000 und 2003 bereits mehrfach Betrugs-Ermittlungen verschiedener Staatsanwaltschaften gegeben. In einem dieser Ermittlungsverfahren hatte die Arnsberger Staatsanwaltschaft per E-Mail mehrere tausend Kunden befragt. Weil sich aber nur zwei Prozent über den Versandhandel beschwert hatten, wurden die Ermittlungen eingestellt. Kurz darauf ging jedoch eine neue Welle von Anzeigen ein, Wochen später meldete der 22-Jährige Insolvenz an. (dpa) / (jk)