Fraunhofer IIS schickt Bilder übers digitale Radio
Der Videoservice namens Diveemo soll sich als Erweiterung des Digital Radio Mondiale (DRM) etablieren. Als Anwendungsgebiete nennen die Forscher Bildungs- und Informationsprogramme.
Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) zeigt auf der Broadcasting-Messe IBC in Amsterdam einen Videoservice fürs Digital Radio Mondiale (DRM). Die IIS-Entwicklung wurde auf den Namen Diveemo getauft und soll die Übertragung von Videoprogrammen über große Entfernungen und zusätzlich zum herkömmlichen Radioprogramm ermöglichen Am morgigen Montag soll das gemeinschaftlich von Fraunhofer IIS, Thomson Broadcast & Multimedia und Chengdu NewStar Electronics gestartete Projekt erstmals auf Sendung gehen. Als Anwendungsgebiete nennen die Forscher Bildungs- und Informationsprogramme.
Die Technik wurde laut der IIS-Forscher speziell für sehr niedrige Datenraten optimiert, auch bei schlechten Empfangsbediungen bleibe die Bild- und Tonqualität gleichbleibend gut, heißt es in einer Pressemitteilung. Diveemo-Videoprogramme ermöglichen mehrere Audiospuren, sodass beispielsweise Bildungsprogramme in mehreren Sprachen simultan ausgestrahlt werden können. Der DRM-Standard sieht außerdem die Anzeige von Sendernamen, Warnhinweise sowie automatischen Senderwechsel bei Veränderung der Frequenz vor.
Der Startschuss fürs Digital Radio Mondiale fiel 2003. Standardisiert ist bislang nur die Übertragung über Lang-, Mittel- und Kurzwelle (bis 30 MHz), derzeit arbeitet man aber auch einem sogenannten "DRM+"-Modus für Sendefrequenzen zwischen 30 und 174 MHz. DRM nutzt das Modulationsverfahren 64-QAM (Quadraturamplitudenmodulation), kombiniert mit einer aufwändigen Fehlererkennung sowie einem Datenkompressionsverfahren MPEG-4 AA4+SBR, das eine Weiterentwicklung von MP3 darstellt. Damit ist es möglich, in üblichen AM-Kanälen mit etwa 10 kHz Hochfrequenz-Bandbreite eine Audiobandbreite von 15 kHz unterzubringen und so fast UKW-Qualität zu erreichen. Vorhandene Infrastruktur wie Sender und Antennen kann größtenteils weiter genutzt werden. (jkj)