SSDs vor allem bei Spezialisten im Einsatz
Das Interesse an SSDs ist sehr hoch, gleichzeitig steckt der Markt noch in den Kinderschuhen. Von einem Massengeschäft ist man noch weit entfernt. Obwohl mittlerweile eine Vielzahl an Anbietern SSD-Käufer umwerben, ist die Gefahr für einen rapiden Preisverfall überschaubar.
Aktuell hält der HEK für SSDs über alle Hersteller und Kapazitätsgrößen ein stabiles Niveau und folgt bestenfalls dem Dollar-Kurs.
Solid-State Disks (SSDs) sind für den Handel derzeit durchaus ein Aktivposten. Insgesamt betrachtet steht das SSD-Geschäft aber noch am Anfang. Der Anteil am Gesamtumsatz ist bei den meisten Herstellern noch verschwindend gering. "Um einen Massenmarkt zu erreichen, sind die Preise auch noch zu hoch", konstatiert Christian Marhöfer, Geschäftsführer bei Kingston Technology. "Die Kunst wird sein, die Balance zwischen Volumen und Preis zu finden." Derzeit stehe dem geringen Volumen ein hoher Preis gegenüber.
Neue Fertigungsprozesse und Optimierungen zeigen bereits die ersten Erfolge. Aber erst, wenn der Controller-Chip als das derzeit teuerste Element einer SSD deutlich günstiger wird, ist der Weg frei für eine nennenswerte Preisreduzierung. Gleichzeitig ist es für den Handel nur von Vorteil, wenn die Branche das noch neue Segment nicht sofort mit Dumping-Preisen kaputt macht. Der SSD-Markt ist relativ abgeriegelt, alle großen Speicher- und Festplattenanbieter sind mit dabei, aber keine Billigproduzenten. Während es bei DDR-RAM und Flash-Speichern für asiatische No-Name-Anbieter ein leichtes ist, sehr preiswerte Produkte herzustellen und im Markt zu platzieren, ist dies bei SSDs bisher nicht möglich. Daher besteht auch keine Gefahr für einen rapiden Preisverfall.
Demnach bleibt der Verkauf von SSDs beratungsintensiv. Die so genannten Early Adopters und Poweruser treffen ihre Entscheidung aufgrund von Testberichten, auch wenn die gemessenen, minimalen Leistungsunterschiede in der Praxis oft gar nicht zu spüren sind. Das übrige Käuferklientel muss sich erst mit der Technik auseinandersetzen und da fehlt auch vielen Corporate-Kunden noch das Gespür dafür. "Sehr gut läuft das Geschäft mit Industriekunden", sagt Dirk Andreas, Business Development Director bei Bell Microproducts. "Diese benötigen zum Beispiel sehr robuste Speicher. Erfüllen die Produkte die zum Teil sehr speziellen Anforderungen spielt der Komponentenpreis keine Rolle." Wie auch im Server-Umfeld benötigen Industriekunden eine lange Evaluierungszeit und fordern von den Herstellern daher eine Plattformstabilität über zwei bis drei Jahre.
HDD und SSD vereint: Momentus XT von Seagate
"SSDs spielen ihren Vorteil vor allem bei zufälligen Datenzugriffen aus", erklärt Jürgen Frick, Product Marketing Managern EMEA bei Adaptec. "In der I/O-Leistung übertreffen sie Festplatten hier um den Faktor 100." Bei sequentiellen Zugriffen seien Harddisks dagegen nicht im Nachteil. Speichersysteme werden über Jahre genutzt, daher sind im professionellen Storage-Umfeld SSDs gefragt, die einem Dauerbetrieb standhalten. Adaptec verlangt von den eingesetzten Laufwerken eine konstante Schreibrate von 40 MByte/s. Damit reizt der Hersteller das maximal Mögliche nicht aus, versucht stattdessen die Lebensdauer zu verlängern. Interne Tests verheißen jedoch nichts Gutes: "80 Prozent der von uns überprüften SSDs fallen durch", sagt Fricke. "Viele können auch einen Datendurchsatz von 40 MByte/s auf die Dauer nicht halten." Auf jeden Fall zeige sich, dass SLC-Drives deutlich besser abschneiden als SSDs mit dem kostengünstigeren MLC-Flash-Speicher.
Im Einstiegssegment geht unterdessen die Tendenz in Richtung Kapazitäten von 60 GByte. 30- und 40-GByte-SSDs sind schon ab rund 100 Euro erhältlich. Viele Anwender könnten sich zwar mit den vergleichsweise günstigen Kosten dieser Modelle anfreunden, halten die Kapazität aber für zu gering. Auch im Praxistest der c't-Redaktion (siehe Ausgabe 17/2010, Seite 138) erwiesen sich die "kleineren" SSDs nicht als adäquater Ersatz für eine Festplatte – wohl aber als sinnvolle Ergänzung. Die meistgesuchte SSD ist im heise resale Preisradar die Vertex 2 Extended von OCZ Technology mit 60 GByte. Der Nettopreis beginnt bei knapp 109 Euro. Vor zwei Wochen kostete das Laufwerk mit 116 Euro noch rund sieben Prozent mehr. Sehr gefragt ist auch die Crucial RealSSD C300 mit 128 GByte für einen Nettopreis von zirka 208 Euro.
Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom Trading GmbH
Ingram Micro GmbH
Unter den gegebenen Vorzeichen muss den Festplatten-Herstellern nicht bange sein, dass ihnen SSDs die Vorherrschaft streitig machen. "Vielmehr ergänzen sich beide Technologien", erklärt Henrique Atzkern, Senior Field Application Engineer bei Seagate Technology. "Für Anwender und Handel kann daher ein Hybrid-Laufwerk eine gute Zwischenlösung sein." Atzkern spielt hier auf die im Juni vorgestellte Solid-State-Hybrid-Festplatte Momentus XT an. Die Laufwerke sind ausgestattet mit 250, 320 und 500 GByte sowie einem 4 GByte großen Cache-Speicher. Eine lernfähige Speicherarchitektur erkennt die am häufigsten genutzten Applikationen bzw. Daten und lädt diese auf den schnellen Flash-Speicher. Die HEKs liegen aktuell zwischen rund 72 und 95 Euro. Zum Vergleich: Intels 40-GByte-SSD kostet momentan nicht ganz 89 Euro. Der Preisvorteil spricht zwar für Seagate, doch ist das Produkt genauso erklärungsbedürftig wie SSDs selbst, um einen größeren Markt zu erreichen. (map)