Kritik an Rückintegration von T-Online nimmt zu

Börsenbeobachter sehen im Rückzug von T-Online einen schweren Schlag für den TecDAX. Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisiert inzwischen das Rückkauf-Angebot der Telekom und spricht von "Enteignung".

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  • dpa

Die Rückintegration von T-Online in den Mutterkonzern Deutsche Telekom ist nach Ansicht von Marktbeobachtern ein schwerer Schlag für den Technologieindex TecDAX. "Der TecDAX verliert sicherlich an Attraktivität, wenn die T-Online-Aktie irgendwann raus muss", sagte Analyst Stefan de Schutter von der alpha Wertpapierhandels AG der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX. Marktstratege Heino Ruland von der Steubing AG sprach von einem "richtigen Drama" für die Attraktivität des Index.

Ein anderer Aktienhändler sprach von einem "schweren Verlust für den TecDAX". Immerhin sei T-Online das "große Aushängeschild und Zugpferd im TecDAX". Das Papier zählt zu den Index-Schwergewichten und gehört zu den am meisten gehandelten Aktien. Die Telekom will die Verschmelzung von T-Online mit ihrer Festnetzsparte im zweiten Halbjahr kommenden Jahres abschließen.

Andere Marktteilnehmer konnten dem Rückzug von T-Online aber auch Positives abgewinnen. "Nach einem Rückzug von T-Online werden die Aktien der anderen Internet-Unternehmen wie freenet.de, United Internet in und QSC in den Fokus geraten", sagte ein Händler. Aber auch die anderen hochgewichteten TecDAX-Mitglieder sollten profitieren, da ihre Gewichtung steige.

Die Deutsche Telekom bietet für die T-Online-Aktie 8,99 Euro -- den Schlusspreis vom Freitag. Die Offerte wurde von Aktionärsschützern scharf als unzureichend kritisiert. Der Ausgabepreis hatte im Jahr 2000 bei 27 Euro gelegen.

Vor diesem Hintergrund kommt auch von Aktionärsschützern weiter Kritik. "Viele Kleinanleger haben den Eindruck, dass sie bei 8,99 Euro enteignet werden", sagte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus Straub. Die Pläne des Bonner Konzerns liefen in den Augen der treuen Kleinanleger auf einen Zwangsverkauf hinaus.

Angesichts der Stimmenmehrheit der Deutschen Telekom auf der Hauptversammlung von T-Online sei absehbar, dass die Zeit der freien T-Online-Aktionäre nun zu Ende gehe. "Das schadet der Aktienkultur", betonte Straub. Nicht nur die Privatanleger der ersten Stunde, die die T-Online-Aktie vor viereinhalb Jahren zu 27 Euro je Stück kauften, seien enttäuscht. Auch andere Anleger stiegen ein, weil sie an das Geschäftsmodell glaubten. "Warum soll ich jetzt von meinen Papieren getrennt werden?", fragten sich deshalb zahlreiche Kleinanleger.

"Wer noch von den T-Online-Aktionären der ersten Stunde dabei ist, wird letztendlich bestraft. Das ist doppelt schlimm, weil es unter dem Deckmäntelchen eines Staatsunternehmens passiert", schilderte Straub. Auch wenn der Bund seinen Aktienanteil an der Deutschen Telekom weiter senke, so sei er auf der Hauptversammlung weiter der maßgebliche Anteilseigner. Straub erinnerte daran, dass die Telekom den Börsenboom in Deutschland selbst mit ausgelöst und den Begriff der Volksaktie mitgeprägt habe. Wertpapiere seien als Altersvorsorge verkauft worden. Jetzt dürften viele denken: "Der Großaktionär macht ohnehin mit mir, was er will, und bestimmt über meine Vermögenssituation."

"Wir werden ganz massiv Opposition gegen diese Beschlüsse betreiben und Anlegerstimmen sammeln", kündigte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger an. Im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten wolle die Schutzgemeinschaft zudem darauf pochen, dass ein fairer Unternehmenswert von T-Online angesetzt werde. (dpa) / (anw)