ICANN-Nominierungskomitee: Politisch korrekte Wahl

Das Nominierungskomitee der Internet-Verwaltung hat TCP/IP-Mitentwickler und ICANN-Präsidenten Vint Cerf im Vorstand bestätigt; neu hinzugekommen ist unter anderem ein Vertreter der alternativen Lizenzorganisation Creative Commons.

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Von
  • Monika Ermert

Das Nominierungskomitee der Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat die von ihm in den ICANN-Vorstand und weitere ICANN-Gremien berufenen Kandidaten vorgestellt. TCP/IP-Mitentwickler Vint Cerf, derzeit auch ICANN-Präsident, führt die Riege der insgesamt drei neuen Vorstandskollegen an. Cerf wurde 1999 auf Vorschlag der Internet Engineering Task Force (IETF) von der so genannten Protocol Supporting Organisation in den Vorstand entsandt. Weil diese aber der ICANN-Reform zum Opfer gefallen ist, sicherte nun erneut das Nominierungskomitee den Sitz des Präsidenten bis 2007.

Die beiden anderen neuen Direktoren kommen dagegen zum ersten Mal in den Vorstand der privaten Netzverwaltung. Ein neues Gesicht ist der Japaner Joichi Ito, Vizepräsident des Weblog-Monitoring-Unternehmens Technorati und Chef der japanischen Six Apart. Besondere Note: Ito ist auch Vorstandsmitglied bei der Organisation Creative Commons, die sich um ein alternatives Lizenzmodell kümmert. Die Creative-Commons-Lizenz sieht vor, dass die Kreativen ihre Werke selbst mit den Freiheiten markieren, die sie den Nutzern bieten sollen. Die deutsche Version wurde im Juni auf der Wizard of OS 3 in Berlin vorgestellt. Ziel der auch bereits in vier anderen maßgeschneiderten Länderversionen und einer speziell auf Entwicklungsländer zugeschnittenen Ausgabe existierenden Lizenz sei es, einen gigantischen, weltweiten Pool an Werken zu schaffen, die komplett oder für nicht kommerzielle Zwecke zum weitgehend freien Download und zum Remixen zur Verfügung stehen.

Ob bei der Wahl der dritten ICANN-Vorstandskollegin, der brasilianischen IT-Expertin Vanda Scartezini, auch der Streit um die Internet-Verwaltung beim World Summit on the Information Society (WSIS) eine Rolle spielt, wird das Geheimnis des 21-köpfigen Nominierungskomitees bleiben, in dem von deutscher Seite der Siemens-Manager Rainer Händel und die Berliner Sozialwissenschaftlerin Jeanette Hofmann sitzen. Für Außenstehende wirkt die Benennung der Brasilianerin wie ein Friedensangebot von ICANN an die ICANN-kritische brasilianische Regierung.

Außer den Vorstandssitzen hatte das Nominierungskomitee noch drei Sitze im ICANN-Gremium der Länderdomain-Manager, dem ccTLD-Council (Yassin Mshanam, Eva Frölich, Charles Sha'ban) zu bestimmen. Dazu kamen zwei weitere Sitze beim Interim At large Committee, dem Rumpf der ehemaligen Nutzervertretung (Roberto Gaetano, und die US-"Net-mom" Jane Armour Polly) sowie ein Posten beim ICANN-Gremium der Top Level Domains, dem GTLD-Council (Maureen Cubberley). Auch dabei wurde streng auf die Quoten geachtet -- dennoch bleiben Frauen und Afrikaner in den ICANN-Gremien schwach repräsentiert. (Monika Ermert) / (jk)