AT&T streicht nach BellSouth-Übernahme nochmals 10.000 Stellen
Der neue Telefongigant will sich in den kommenden drei Jahren von 10.000 seiner insgesamt 317.000 Mitarbeiter trennen. Zusammen mit anderen Maßnahmen sollen dadurch insgesamt 18 Milliarden US-Dollar eingespart werden.
Die größte US-Telekomkonzern AT&T will nach dem Kauf der Telefongesellschaft BellSouth in den nächsten drei Jahren insgesamt 10.000 Stellen streichen. Dies erklärte der AT&T-Finanzchef Rick Lindner am gestrigen Montag in einer Analysten-Konferenz. AT&T und BellSouth haben bisher insgesamt rund 317.000 Beschäftigte. Durch den Zusammenschluss wird AT&T auch alleiniger Besitzer der größten US-amerikanischen Mobilfunkfirma Cingular Wireless. Die beiden Telekom-Riesen hatten am Sonntag die 67 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme angekündigt.
Der Stellenabbau komme zusätzlich zur Einsparung von 13.000 Beschäftigten, die bereits im Zuge der Integration der AT&T- Operationen in die der SBC Communications angekündigt worden seien. Lindner verwies auch auf die ebenfalls schon angekündigten 13.000 Stellenstreichungen, die auf Produktivitätsinitiativen folgen sollen. SBC hatte im November vergangenen Jahres AT&T für 16,5 Milliarden US-Dollar gekauft und den bekannteren Firmennamen angenommen. Seither firmiert die Gesellschaft als AT&T.
AT&T will nach der BellSouth-Übernahme insgesamt 18 Milliarden US-Dollar einsparen, die Hälfte davon bei den Personalkosten sowie durch eine Konsolidierung der Hauptquartiere und der Verwaltung. 20 Prozent will das Unternehmen durch Sparen bei den Werbekosten erwirtschaften und 30 Prozent durch Kürzungen bei den Netzwerken.
AT&T wird durch den BellSouth-Kauf zu dem mit Abstand größten US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen mit einem Umsatz von fast 100 Milliarden US-Dollar (83 Milliarden Euro) und einem Einzugsgebiet von Kalifornien bis Florida. Als einziger wichtiger Telekomkonkurrent verbleibt dann Verizon Communications mit rund 75 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die drittgrößte Telekomfirma Qwest Communications tut sich geschäftlich schwer. Im Mobilfunkgeschäft liegt AT&T Cingular Wireless deutlich vor Verizon Wireless und Sprint Nextel und noch weiter vor T-Mobile USA.
Zahlreiche Verbraucherschutzgruppen und Politiker haben Widerstand gegen die Mammuttransaktion angekündigt, da sie den Wettbewerb mindere. "Falls der Zusammenschluss genehmigt wird, wird er zu höheren Orts-, Ferngesprächs- und Mobilfunkpreisen führen", erklärte Gene Kimmelman, einer der Vizepräsidenten der Consumers Union. Die Verbraucherschützer wollen sich an das US-Justizministerium wenden, um die Übernahme zu blockieren.
Verhindere die Regierung nicht die Wiederherstellung des alten Telefonmonopols, solle sie AT&T und BellSouth zumindest zwingen, ihr Cingular-Mobilfunkgeschäft zu verkaufen, um den Wettbewerb zwischen Mobilfunk- und Festnetzdienstleistern zu verstärken.
Die ursprüngliche AT&T war 1984 in eine ebenfalls als AT&T firmierende Ferngesprächsgesellschaft sowie sieben regionale Telefongesellschaften aufgespalten worden. Davon sind nach einem Zusammenschluss von AT&T und BellSouth nur noch drei übrig. (dpa) / (mhe)